

Zu den Bildern eines Lampionfests in einer Schrebergartenkolonie lässt Autorin Helga Hayne ihren Sprecher Gustl Weishappel sagen, mit Doktor Moritz Schreber hätten die Schrebergärten so viel zu tun wie der Leibniz-Keks mit dem großen Philosophen, nämlich nichts. Und tatsächlich war der - vorsichtig ausgedrückt - gestrenge Pädagoge Moritz Schreber lediglich der Vater der Heilgymnastik, den ersten Schreberverein hingegen hat 1864 der Leipziger Schuldirektor Ernst Hauschild gegründet, um den Arbeiterkindern aus den Mietskasernen etwas Gutes zu tun. Um die Geschichte des Schrebergartens geht es in dem Film von Helga Hayne aus dem Jahr 1977 jedoch nur am Rande. Im Auftrag des Bayerischen Rundfunks erkundete sie vielmehr, wie es den "Schrebergartlern" in Bayern geht, wie sie vor allem mit der unsicheren Lage ihrer Schrebergärten umgehen: Nur ein Drittel der Münchner Schreibergärten z.B. lag damals in so genannten Daueranlagen und konnten von den Gartenfreunden auf Lebenszeit genutzt werden. Das heißt, viele Schrebergärtner wurden aus ihren Paradiesen vertrieben. Und bekamen im günstigsten Fall nur eine Parzelle in einer neu angelegten und enorm sterilen Kolonie. Da half nur Zeit, um mithilfe von Eigeninitiative und viel Patina neue schöne Anlagen zu schaffen. Denn eines musste in jedem Fall verhindert werden: "Wenn der Gärtner einmal stirbt," heißt es im Volksmund, "dann ist die Welt zuende."
Die Sendung wird ausgestrahlt am Freitag, den 17.04.2020 um 21:45 Uhr auf ARD alpha.