Rokoko war im mittleren bis späten 18. Jahrhundert so sehr in Mode, dass sich Fürsten, Bistümer und Gemeinden verschuldeten, um den neuesten Stil zu zeigen. Einer der wichtigsten Vertreter des bayerischen Rokoko war François de Cuvilliés.
Die Dokumentation widmet sich einigen seiner wichtigsten Projekte, illustren Auftraggebern und größten Förderern: Der bayerische Kurfürst Max Emanuel ließ Cuvilliés zunächst in Paris ausbilden und anschließend das Interieur von Schloss Schleißheim gestalten oder der Münchner Residenz. Cuvilliés war auch Baumeister des Jagdschlösschens im Nymphenburger Schlosspark, der Amalienburg - benannt nach Maria Amalie, der Gemahlin von Kurfürst Karl Albrecht, deren liebste Freizeitbeschäftigung die Jagd war. Der kleine Balkon auf dem Dach des Gebäudes soll ihr ermöglicht haben, die ersten Fasane, Rehe oder Wildschweine direkt gleich nach dem Aufstehen zu erlegen.
Der Film erzählt auch die Geschichte eines weiteren wichtigen Bauherrn des Rokoko: Balthasar Neumann, ein Studienkollege von Cuvilliés. Neumanns wichtigster Auftraggeber war die gräfliche Familie von Schönborn, die ihn mit dem Bau der Würzburger Residenz beauftragte. Neumann gelang ein Meisterwerk, das sogar das österreichische Kaiserpaar derart beeindruckt haben soll, dass es angeblich überlegte, die Hofburg in Wien abzureißen und ein ähnliches Bauwerk errichten zu lassen. Rokoko war ab der Mitte des 18. Jahrhunderts in ganz Bayern "en vogue", so sehr sogar, dass etwa der kleine schwäbische Ort Deisenhausen eine prächtige Rokoko-Kirche erbauen ließ - und sich damit so sehr verschuldete, dass zwölf Jahre lang keine Seelsorge stattfinden konnte.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 15.03.2020 um 07:00 Uhr auf HR.