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Wildes Erbe des Kalten Krieges - Die Königsbrücker Heide

Dienstag, 03.03.2020 21:00 Uhr
MDR
Dienstag
03.03.2020
21:00 Uhr
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Bildquelle: Pressebild (ard2017)
Bildquelle: Pressebild (ard2017)

Wo noch 1985 Atomraketen stationiert waren, brüten heute Wiedehopfe und leben Seeadler. Und aus mit Kampfmitteln verseuchten Wasseradern sind wieder klare Gewässer entstanden, in denen eine der größten Biberpopulationen Deutschlands lebt. Versteckt und abgeschirmt läuft in der Königsbrücker Heide unweit von Dresden seit 25 Jahren eines der größten Freiland-Experimente Mitteleuropas: Die Natur sich selbst überlassen, ganz ohne menschlichen Einfluss. Bald soll das Areal zum ersten international anerkannten Wildnisgebiet Deutschlands werden.
"Ich kann mich noch an meinen ersten Besuch 1994 erinnern. Wir wurden vom Kampfmittelbeseitigungsdienst eingewiesen und sollten es mit den Granaten auf den Wegen etwas locker sehen. Ich war emotional ziemlich angespannt. Ich hatte dann den Eindruck, als würde man in eine riesige, unendliche Sandgrube schauen. Und man war voller Optimismus. Was kannste jetzt damit machen? Der Naturschutz war einfach die tollste Lösung und die Situation ein historisches Geschenk", erinnert sich Dirk Synatzschke, Mitarbeiter des Naturschutzgebietes Königsbrücker Heide.
Über 100 Jahre ist das 70 Quadratkilometer große Areal in der westlichen Lausitz hermetisch abgeriegelt. 1907 wird es zum Truppenübungsplatz ausgebaut. Mehrere Dörfer werden zwangsumgesiedelt. 1935 übernimmt die Wehrmacht das Gelände. Die letzte und dritte Ausbaustufe leitet 1945 die Sowjetarmee ein. Panzerverbände, Raketentruppen und Luftlandekommandos sind hier stationiert. Durch einen ständigen Ausbildungsbetrieb und riesige Manöver mit bis zu 30.000 Mann wird der letzte Rest Natur nahezu komplett zerstört. Es entstehen steppenähnliche Zustände. "In Königsbrück waren die Bedingungen für uns ausgezeichnet, es gab ein höheres Gehalt als in der Sowjetunion und in den Geschäften gab es Dinge, die wir gar nicht kannten. Deshalb wollten eigentlich alle Soldaten und Offiziere hierher und hier dienen", erzählt Igor Komilzev, ehemaliger Sowjetoffizier in Königsbrück.
Mit dem Abzug der Sowjetarmee gleicht die Königsbrücker Heide einer Wüste aus Sand und Schrott. Schätzungsweise 20 Millionen Tonnen Kampfmittel - Granaten, Minen und Panzerteile - wurden bis heute hier entsorgt. Doch es ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die ungeheure Menge macht eine vollständige Beräumung unmöglich. Auch deshalb wird die Not zur Tugend gemacht und 1996 das Naturschutzgebiet Königsbrücker Heide gegründet. Mit über 1.600 Tier- und Pflanzenarten, darunter 300, die in Roten Listen geführt werden, gehört es zu den Spitzengebieten der Artenvielfalt in Sachsen. Der Osten - Entdecke wo du lebst

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 03.03.2020 um 21:00 Uhr auf MDR.

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Dokumentation/Reportage, Natur, Tiere, Geschichte
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03.03.2020 21:00MDR