

Die Triererinnen und Trierer sagen, der Weihnachtsmarkt auf dem Domplatz sei der schönste der Republik. Wen wundert es bei dieser Kulisse? Seit 1986 ist der Dom St. Peter in Trier wegen seiner herausragenden Bedeutung für die Menschheit in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Alle Phasen der Bau- und Glaubensgeschichte Europas sind hier auf engstem Raum vereint. In keiner anderen Stadt Deutschlands liegen die Welterbestätten so nah beieinander. Der Dom ist vor allem ein bedeutendes Wallfahrtsziel.
Das angeblich letzte Kleidungsstück von Jesus am Kreuz liegt in der hierfür eigens gebauten Heilig-Rock-Kapelle. Das Gewand wird verschlossen aufbewahrt, um den ursprünglichen Textilzustand zu erhalten. Nur anlässlich der großen Heilig-Rock-Wallfahrten wird die Tunika der Öffentlichkeit gezeigt, zuletzt 2012.
Seine Anziehungskraft hat das Gewand Christi nicht verloren. Deshalb organisiert Wolfgang Meyer seit 1997 die Heilig-Rock-Tage, die jedes Jahr im Frühling Glaubenden, Suchenden und Zweifelnden ein Forum bieten. Bis zu 10.000 Pilgerinnen und Pilger kommen dann täglich. Helmut Grünhäuser lenkt die Besucherströme. Er ist hier der Domschweizer und sorgt für Ruhe und Ordnung.
Bei so viel Trubel hat vor allem Christine Koch alle Hände voll zu tun. Sie putzt die Kirche seit fast vierzig Jahren. Raumpflegerin, Domschweizer und Heilig-Rock-Organisator gehören zu jenen Menschen im Hintergrund, ohne die der Dom heute kaum funktionieren würde. Dass der Trierer Dom seit jeher ein besonderer Ort der Musik ist, leuchtet auf Anhieb ein. Die Musik kommt aus dem Schwalbennest. So heißt die Orgel, die hoch über dem Mittelschiff schwebt. Schwindelfrei sollte man sein und trittfest.
Josef Still ist hier seit einem Vierteljahrhundert der Domorganist. An jedem Werktag um neun Uhr spielt der Niederbayer die Morgenmesse, selbst wenn nur zwei Dutzend Leute auf den Bänken sitzen. Wenn dazu noch der Kathedraljugendchor bei den Heilig-Rock-Tagen singt, sind das magische Momente im Dom. Die 60 Männer und Frauen des Chors sind nicht älter als 25 Jahre. Das gemischt-stimmige Ensemble ist das jüngste der Trierer Chorfamilie. Der Dom bewegt die Menschen, manche begleitet er lebenslang.
Ganz vorne und im Mittelpunkt steht da der Bischof. Wann immer es der Terminkalender von Stephan Ackermann erlaubt, kommt der Oberhirte gegen Abend in den Kreuzgang. Seit zehn Jahren ist er nun im Amt. Bei Einführung der jüngste Bischof im Land, aber in sehr unruhigen Zeiten: Missbrauch, überholte Strukturen und eine Pfarreienreform belasten auch das Bistum Trier.
Allein 2018 traten über 10.000 Mitglieder aus, 2.000 mehr als im Jahr zuvor. Der Dom St. Peter in Trier ist fast so alt wie das Christentum. 1.700 Jahre hat Deutschlands älteste Bischofskirche schon überlebt. Seit dem 4. Jahrhundert wird immer wieder an- und umgebaut. Kein Stillstand, immer in Bewegung - "Bekannt im Land" bringt den Zuschauerinnen und Zuschauern das ehrwürdige Gotteshaus näher.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 22.12.2019 um 18:45 Uhr auf SWR.