Zu den illustren Gästen des Bades gehört von 1858 bis 1870 auch ein Franzose deutscher Herkunft: Jacques Offenbach. Mit seiner Theater-Truppe "Bouffes Parisiens" tritt er - wie allgemein üblich - im Sommer in verschiedenen, bevorzugt in Kurstädten auf. Bad Ems scheint ihn aber besonders anzuziehen. Für zwölf Jahre werden er - und meist auch seine Truppe - zu Stammgästen an der Lahn. Offenbachs Publikum ist hier dasselbe wie in Paris, vielleicht sogar noch etwas "ausgesuchter". Stücke, die hier ankommen, werden auch woanders Erfolg haben. So kommt es, dass acht Einakter im Marmorsaal uraufgeführt werden. Fernab von Frau und Familie, die ihn nach Bad Ems nicht begleiten, kann er hier seinen amourösen Abenteuern nachgehen und die Zeit zum Komponieren nutzen. Große Teile des "Orpheus in der Unterwelt" und der "Schönen Helena" entstehen während seiner Aufenthalte an der Lahn.
Der Film zeigt, welche Beziehung Offenbach zum Ort und zur Region hatte. Die Werke, die er in Bad Ems geschrieben und uraufgeführt hat sowie seine Wirkungsstätten - auch im Bezug und in Einordnung zum Gesamtwerk - sind Thema der Dokumentation.
Gleichzeitig spielt Bad Ems selbst eine zentrale Rolle, nicht nur musikinteressierte Zuschauerinnen und Zuschauer soll Lust bekommen, sich diese Region mal anzusehen und auf Offenbachs Spuren zu wandeln. Optisch und thematisch verwebt die Dokumentation Gegenwart und Vergangenheit miteinander, sei es durch Bilder vom Leben heute, die das Leben damals illustrieren oder durch die immer wieder thematisierte Frage, inwiefern die Zeit damals heute noch Bedeutung hat und Interesse weckt.
13.05.2010 Das Erste
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 27.10.2019 um 09:25 Uhr auf SR.