

Nach dem Einmarsch türkischer Truppen in Nordsyrien sind Hunderttausende Menschen auf der Flucht. Viele von ihnen benötigen dringend medizinische Hilfe. Ausländische Mitarbeiter von Hilfsorganisationen mussten die umkämpfte Region verlassen. Im benachbarten Irak warten sie darauf, nach Nordsyrien zurückzukehren.
Die Berliner Hilfsorganisation CADUS arbeitet seit 2014 im Gebiet der kurdischen Selbstverwaltung, die von einem Tag auf den anderen zum Krisengebiet wurde. Noch sind einige lokale Helfer vor Ort, aber auch für sie wird die Lage zunehmend schwierig. In der nordirakischen Stadt Erbil berichten deutsche Mitarbeiter von CADUS, dass sie derzeit nicht wissen, ob und wann sie die medizinische Versorgung in Nordsyrien wieder aufnehmen können.
Währenddessen nutzen offenbar die im Kurdengebiet in provisorischen Gefängnissen inhaftierten ehemaligen IS-Kämpfer die Gunst der Stunde, um im allgemeinen Chaos zu fliehen. Sie begrüßen die türkische Invasion und hoffen auf ein Wiederaufleben des "Islamischen Staates". Weil sie für die Verteidigung ihres Landes gebraucht werden, sehen sich die kurdischen Milizen kaum noch in der Lage, die IS-Terroristen zu bewachen.
Reportage Deutschland 2019
* Thema: Die Türkei - Regionalmacht am Scheideweg?
Noch Europa oder schon das Tor zum Nahen Osten? Diese Frage beschäftigt die Türkei seit fast 100 Jahren. Für Mustafa Kemal Atatürk war die Antwort eindeutig: Ab 1920 formte er die Türkei zu einem säkularisierten Staat nach europäischem Vorbild. Sein heutiger Nachfolger an der Spitze der Türkei ist Recep Tayyip Erdogan. Er hat den offenen Flirt mit dem Islam gewählt. Zwischen diesen beiden Polen steht das Volk, alleingelassen in einer fragilen Demokratie. Womit identifiziert sich die Türkei von heute?
Der Name Erdogan ist unwiederbringlich mit der AKP verbunden. Die Partei hat seit dem Putschversuch vom Juli 2016 alles unternommen, um ihre Macht zu festigen. Tausende wurden verhaftet, das Präsidialsystem durchgesetzt und die Presse gleichgeschaltet. Doch Erdogans Partei hat mit dem Sieg der Opposition in Istanbul einen empfindlichen Dämpfer abbekommen. Während die Lira weiter auf Talfahrt geht, erstarkt die Opposition.
"Erdogans AKP - Eine Partei verändert die Türkei" - eine Dokumentation über das mögliche Ende einer Ära. Erdogans liebster Feind ist die Gülen-Bewegung. Seit 2016 geht die türkische Regierung massiv gegen sie vor und zwingt viele ihrer Anhänger zur Flucht. Eine Entwicklung, die europäische Sicherheitsbehörden verfolgen, denn es gibt Anzeichen, dass die Gülen-Bewegung im Ausland von der organisierten Kriminalität unterwandert wird und Journalisten einschüchtert. Radikalisieren sich die Mitglieder der Gülen-Bewegung oder sind sie doch "Die freundlichen Islamisten?" Der Film von Osam Okkan gibt Antworten auf diese Fragen.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 30.10.2019 um 12:15 Uhr auf arte.