

Christoph Kuhn fotografierte im Oktober 1989 das Geschehen an der Georgenkirche in Halle mit zwei Kameras. Eine trug er offen, die andere versteckt. Er musste befürchten, dass ihm ein Fotoapparat abgenommen wird - entweder von der Stasi, die die Verbreitung der Bilder verhindern wollte oder von den Teilnehmern des Protestes, die ihn für einen Stasi-Spitzel hielten.
Ab dem 10. Oktober sammelten sich an der Kirche hunderte Menschen und forderten die Freilassung der bei Demonstrationen Inhaftierten. So friedlich, wie die Revolution immer betitelt wird, hat Christoph Kuhn sie nicht erlebt. Auf Halles Straßen wurde geknüppelt und "zugeführt". Bürger gaben bei den "Mahnwächtern" an der Georgenkirche Spenden ab und stellten hunderte Kerzen auf, die Kirche war eine Anlaufstelle des organisierten Protestes geworden. Die Fotos von Christoph Kuhn zeugen noch heute davon, er hatte beide Kameras heil nach Hause gebracht.
Damals wurde dem evangelischen Christen deutlich, dass Politik und Religion nicht zu trennen sind. Je konkreter Kirche politisch ist, umso lieber ist es ihm - auch heute noch. Der Schriftsteller erzählt in seinen Gedichten und Erzählungen, was Unfreiheit in der DDR bedeutete. Daran zu erinnern bleibt ihm wichtig, sonst sei der Wert von Demokratie und Freiheit schwer erkennbar. Freiheit '89
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 06.10.2019 um 07:25 Uhr auf MDR.