

Es ist Freitagabend. Melanie, 19, will mit ihrer Freundin zum Tanzen nach Würzburg. Die Vorbereitungen und das Schminken vor dem Spiegel sind für sie der schönste Teil des Abends. Das Tanzen unter vielen Menschen, die laute Musik, die Annäherungsversuche der jungen Männer strengt sie an. Doch dass sie überhaupt am Abend ausgeht, ist für sie schon ein Erfolg. In der Dunkelheit kommen die alten Ängste aus ihrer Kindheit hoch, aus der Zeit als Kleinkind im Kinderheim.
Seit fünf Jahren wohnt Melanie im Antonia-Werr-Zentrum, einer heilpädagogischen Einrichtung der Oberzeller Franziskanerinnen für traumatisierte Mädchen. Mit 14 wurde sie von ihren Pflegeeltern, einem evangelischen Pfarrerehepaar, hierhergebracht, völlig verstört. Ihre Pflegeeltern mussten sich eingestehen, dass sie mit Melanie und ihrem jüngeren Bruder überfordert waren, auch wenn sie nur das Beste wollten.
Im Zentrum ändert sich nicht viel: Melanie provoziert ihre Erzieherinnen, versucht wegzulaufen. In der Schule macht sie kaum Fortschritte. Die Erzieherinnen geben nicht auf. Erst nach zwei Jahren arrangiert sich Melanie mit der Situation und beginnt für sich zu kämpfen. Sie macht ihren Schulabschluss und ihre Ausbildung als Hauswirtschafterin im Zentrum. Sie genießt die Abgeschlossenheit der Einrichtung und fühlt sich beschützt. Das Antonia-Werr-Zentrum wird ihr Zuhause, ihre Familie. Nun muss sie ausziehen. Sie hat einen Job in Würzburg bekommen. Doch sie hat Angst vor der Stadt, den vielen Menschen, dem Alleinsein. Wie wird sie damit klarkommen? Die Journalistin Alexia Späth begleitet Melanie bei ihren mühsamen Schritten in die Selbstständigkeit.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 28.07.2019 um 07:00 Uhr auf SR.