

In der Irischen See zwischen Britannien und Irland liegt die Isle of Man. Diese Insel ist der Schauplatz des berühmt-berüchtigten Motorradrennens Tourist Trophy, kurz TT. Dieses Rennen führt in mehreren Rund auf ganz normalen Straßen mit Randsteinen, Laternenmasten, Feldmauern, Chausseebäumen usw. durch Dörfer, in bergige Regionen und u.a. auch durch die beiden Städte Douglas und Ramsey. Bis zum Jahr 2018 verloren über 250 Rennfahrer bei diesem Rennen bzw. dem Training dafür ihr Leben. Wie kommt der renommierte Fernsehjournalist Wilhelm Bittorf im Jahr 1975 dazu, für die Reihe "Kundschafter" im SDR darüber eine dreiviertelstündige Dokumentation zu drehen? Bittorf gibt gleich am Anfang des Films zu erkennen, dass er selbst gerne ein verwegener Motorradfahrer wäre, ihm dazu aber der Mut fehle: Schorsch Meier, der berühmte Motoradrennfahrer, war das Idol seiner Kindheit. Dies hindert ihn allerdings nicht, den Wahnsinn auf zwei Rädern, der sich alljährlich auf der Isle of Man abspielt, auch so zu benennen. Auf diesem anachronistischen Straßenrundkurs Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 250 Km/h vorzulegen, ist für Bittorf ungefähr so vernünftig, wie die Besteigung der Eiger-Nordwand in Badehosen - aber eben auch sehr viel aufregender. Was ist der Reiz dabei, wenn man mit über 200 Km/h mit zwei Zentimeter Abstand an einem 20 cm hohen Randstein vorbeirauscht, in irrsinnigem Tempo auf welligen Straßen, die das Motorrad durch die Luft fliegen lassen, durch Dörfer rast? Die Fahrer haben darauf so recht keine Antwort. Auch die so genannten Gespannfahrer nicht, die im Seitenwagen neben sich immer einen Passagier mit an Bord haben, der permanent akrobatisch auf dem Gespann herumturnt, um in jeder Kurve das Gewicht optimal zu verlagern. Was denkt jemand, der bei über 200 Km/h seinen Popo aus dem Seitenwagen hält und sich dabei immer wieder die Lederkleidung aufschlitzt, weil der Abstand zum Asphalt dann eben doch zu gering war? Eine wirklich nachvollziehbare Antwort bekommt Bittorf von den rundweg sympathischen Motorradrennfahrern nicht. Auch zwei Frauen sind bei diesem Rennen mit dabei: Sie sind ebenfalls "Schmiermaxe" im "Boot" eines Renngespanns. Die vielleicht ehrlichste Antwort gibt Bev Martin, eine der beiden Frauen: "Zwei Jungs haben gesagt, ich könnt' das nicht, da wollte ich sehen, ob ich's kann. Und ich hab's gekonnt. Es ist riesig, phantastisch. Sicher ist es hart, aber eines Tages muss man ja doch dranglauben - warum nicht beim Rennen?" Im Jahr davor hatte sie sich fünf Rippen gebrochen und eine Niere verletzt, aber jetzt sei sie wieder okay. Im Motorradfahrerjagon nennt man einen Unfall "absteigen" und auch 1975 stiegen wieder viele ab, zwei starben dabei. Willy Pankau stand auch bei diesem Film hinter der Kamera, seine Bilder zeigen eine Insel mit großartiger Landschaft, faszinierende Rennsituationen aber auch großes Unglück und bittere Tragik.
Wilhelm Bittorfs Fazit am Ende des Films lautet, es sei zwar sehr leicht, diese Rennfahrer für verrückt zu erklären: "Aber mein Respekt vor ihnen und ihrer Leidenschaft ist gewachsen, je näher wir sie kennenlernten, mein Respekt vor den Gespannfahrern und ihrer Kameradschaft untereinander, vor den richtigen Motorradfahrern, die in jeder Hinsicht das absolute Gegenteil sind von einem Rocker und all den Angebern, die nicht viel mehr draufhaben, als Krach zu machen und alte Damen zu erschrecken."
Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 06.07.2019 um 21:05 Uhr auf ARD alpha.