

Wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und künstlerischer Aufbruch war bezeichnend für das China der 80er Jahre. Ende der 70er Jahre, während des Pekinger Frühlings, zeigten unabhängige Künstler an der "Mauer der Demokratie" wiederholt unter freiem Himmel ihre Werke, darunter auch Wang Keping, Mitglied der Künstlergruppe "The Stars".
"The Stars" war die erste Avantgarde-Künstlergruppe Chinas, die eine chinesische Kunst nach staatlicher Leitlinie ablehnte. Ihre Forderung nach künstlerischer Freiheit ging einher mit der Forderung nach mehr Mitbestimmung und Demokratie. Aufgrund des politischen Drucks löste sich die Gruppe schon 1983 wieder auf.
Der Bildhauer Wang Keping lebt seit Mitte der 80er Jahre in Paris im Exil und taucht mit der Filmemacherin Yang Yang in die Zeit und Stimmung der frühen 80er Jahre in China ein. Ebenfalls zu Wort kommen die Malerin Li Shuang sowie der Musiker Cui Jian, dessen Song zur Hymne der Studentenproteste von 1989 wurde.
Vier Monate vor dem Tian'anmen-Massaker wurde in der Pekinger Nationalgalerie die umfangreiche zeitgenössische Kunstausstellung "China/Avantgarde" gezeigt. Doch kurz nach ihrer Eröffnung musste sie wieder geschlossen werden, als die Künstlerin Xiao Lu im Rahmen einer Performance Gewehrschüsse auf ihre eigene Installation abfeuerte.
Xiao Lus Schüsse gelten als Vorboten der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Für die Filmemacherin Yang Yang geriet am 4. Juni 1989 nicht nur der Wunsch nach Demokratie, Freiheit und Mitbestimmung unter die Panzerketten, China ging ein Stück Idealismus und Kreativität verloren. Arte Thema: 1989, Platz des Himmlischen Friedens
Das Bild ist Weltgeschichte. Ein einzelner Mann, zwei Einkaufstüten in der Hand. Er stellt sich einem Konvoi von Panzern entgegen, blockiert deren Weiterfahrt. "Tank Man" ist der Name, der dem bis heute Unbekannten gegeben wurde. Die Szene ereignete sich am Donnerstagmorgen des 5. Juni 1989 in einer Nebenstraße des Tian'anmen Platzes in Peking. In der Nacht zuvor, am 4. Juni, hatte die ‚People's Army' die bereits über sieben Wochen andauernden, friedlichen Studentenproteste auf dem Tian'anmen Platz, dem Platz des Himmlischen Friedens, in der chinesischen Hauptstadt vor den Augen der Weltöffentlichkeit gewaltsam niedergeschlagen. Das Bild des "Tank Man", festgehalten von zahlreichen Fotojournalisten und Fernsehteams vor Ort, ging um die Welt. Es steht bis heute symbolisch für das blutige Massaker an der Demokratiebewegung durch die chinesische Staatsgewalt.Auslöser der Proteste war der Tod des beliebten Politikers Hu Yaobang, der sich für die Reform der Kommunistischen Partei eingesetzt hatte. Daraufhin versammelten sich über Wochen hinweg Studenten auf den Straßen, um zu trauern und für einen demokratischen Wandel des Systems zu demonstrieren. Was als friedlicher Protest begann, endete in einem Massaker. Aus Angst vor dem Machtverlust, entschied sich die kommunistische Partei für die Anwendung von Gewalt. Die Ereignisse des 4. Juni waren der tragische Schlusspunkt von sieben Wochen Demokratiebewegung, welche die Politikführung Chinas bis heute prägt. 30 Jahre nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens zeigt ARTE die zweiteilige Dokumentation "Tian'anmen". Zeitzeugen rekonstruieren diese entscheidende Phase chinesischer Geschichte. Das Porträt "Liu Xiaobo - Der Mann, der Peking die Stirn bot" erzählt die Geschichte des Friedens-Nobelpreisträgers Liu Xiaobo. "Für Demokratie und Freiheit - Chinas Künstler der 80er Jahre" zeichnet im Anschluss die Zeit von gesellschaftlichem und künstlerischem Aufbruch nach, die durch das Tian'anmen-Massaker blutig beendet wurde.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 04.06.2019 um 23:30 Uhr auf arte.