

Seit die römisch-katholische Kirche von ihren Geistlichen den Zölibat einfordert, ist diese Lebensform umstritten. Für Einige ermöglicht sie die totale Hinwendung zu Gott, für Andere bringt sie nichts als Heuchelei und Doppelmoral hervor. Im Zentrum der Dokumentation von Fritz Kalteis steht die Frage, wie sich der Gedanke von Ehelosigkeit und Enthaltsamkeit von einer freiwillig gewählten Lebensform zu einem verpflichtenden Kirchengesetz für römisch-katholische Priester gewandelt hat.
Die Geschichte des Zölibats ist eine Geschichte von Macht, Geld und Politik. Sie begann mit einem heftigen Konflikt der Weltgeschichte, mit dem Investiturstreit zwischen dem deutschen König Heinrich IV. und Papst Gregor VII. Im 11. Jahrhundert will die Kirche Herr im eigenen Haus sein. Papst Gregor stellt das Recht des deutschen Königs infrage, eigenmächtig Bischöfe einzusetzen und so seine Macht im Reich zu festigen.
Gregor sucht nach einem Druckmittel gegen weltliche Bischöfe und findet den Zölibat, gleichsam als Eintrittshürde in den Kirchendienst. Dabei geht es auch um Geld: Die Kirche möchte verhindern, dass weltliche Bischöfe Kirchenbesitz an ihre Nachkommen vererben. In der Folge wird der Zölibat zum Kirchengesetz und ist seither ein verpflichtender Teil des Priesterberufs. Die Reformation geht den anderen Weg. Martin Luther erkennt, dass der Zölibat nur Heuchelei hervorbringt. Und er selbst heiratet die Nonne Katharina von Bora.
Der Pflichtzölibat für Priester ist also letztlich eine Verwaltungsvorschrift der römisch-katholischen Kirche. Der Papst als Oberhaupt dieser Kirche könnte ihn ganz einfach abschaffen. Dass der Vatikan trotz aller Skandale bis heute am Zölibat festhält, zeigt für den Kirchengeschichtler Thomas Prügl von der Universität Wien, dass "hier doch ein sehr wesentlicher Moment des Christentums auf dem Spiel steht, den sich die lateinische Kirche sehr schwertut, aufzugeben."
Ein Priesteramtskandidat auf der Suche nach seiner eigenen Berufung, Österreichs einziger Eremit, ein zölibatsbrüchiger Benediktinermönch, seine streng zölibatären Ordensbrüder im französischen Saint-Martin de Ligugé, ein Münchner Weltpriester mit Haushälterin und ein geweihter Priester als Ehemann sind die Protagonisten der Dokumentation. Sie zeichnen ein facettenreiches Bild vom zölibatären Leben in der römisch-katholischen Kirche. Dabei verfolgt Regisseur Fritz Kalteis die Entwicklung des Zölibatsgedankens vom Vorbild Jesu Christi über den Investiturstreit und die Reformation bis hin zum Zweiten Vatikanischen Konzil und illustriert sie mit berührenden Lebensgeschichten seiner Protagonisten.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Montag, den 01.04.2019 um 03:15 Uhr auf arte.