

Auf die Frage nach ihrer Religion, antwortet Johanna Lemke-Prediger mit einem Augenzwinkern: "Ich bin evangelisch. Meine Oma hat mir in der DDR verboten, aus der Kirche auszutreten." 1991 wurde die Lehrerin aus Bitterfeld für ein Jahr in die polnische Woiwodschaft Opole gesandt. Dort sollte sie die deutsche Minderheit unterrichten. "Meine Familie war schockiert. Alle gingen in den Westen. Ich in den Osten. Aber was ist schon ein Jahr, dachte ich."
Als evangelische Christin besuchte sie mit ihrer Gastfamilie regelmäßig die katholische Messe. Nicht etwa, weil sie konvertiert ist, sondern weil sie so die polnische Sprache schnell lernte. Anfangs wurde sie oft schief angesehen, bald aber schon respektiert. Das lag vor allem auch an ihrem Engagement. Als Lehrerin brachte sie den Kindern Glaubensinhalte auf Deutsch bei.
Als Mensch arbeitete sie von Anfang an im Freiwilligendienst der Caritas in Opole. Aus einem Jahr wurden fast dreißig. Johanna Lemke-Prediger blieb in Polen. Und obwohl sie längst im Ruhestand ist, initiiert, fördert und unterstützt sie kulturelle Projekte, liest an Seniorennachmittagen zweisprachig Geschichten vor, forscht mit Schülern an historischen Ereignissen und Persönlichkeiten, die Polen und Deutschland verbinden. Sprache und Glaube sind für sie verbindende Elemente.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 07.04.2019 um 07:25 Uhr auf MDR.