

Als die Elbe in den 1990er-Jahren von einem schmutzigen Abwasserstrom wieder zu einem sauberen Fluss wurde, kehrten die Fische zurück. Auch die Wanderfische, die aus dem Meer zum Laichen in den Fluss aufsteigen. Der Stint, ein kleiner silbriger, wohlschmeckender Fisch, tat das wieder jedes Frühjahr in Massen. So wie in früheren Zeiten, als sein Fang hunderte von Fischerfamilien ernährte. Nach seinem Comeback machten eine Handvoll Elbfischer den Stint kulinarisch zum Kult. Seither gehört Stintessen wieder zum Frühjahr am Elbdeich.
Doch in den letzten Jahren wurde immer weniger Stint gefangen. Schließlich blieb die Fischart 2017 und 2018 fast völlig aus. Die Feinschmecker am langen Elbdeich gucken auf leere Teller. Schlimmer noch: auch vielen Tieren knurrt der Magen. Seeschwalben und Zwergmöwen, Zander und Aal, vielen Lebewesen im Fluss, die von der Stintbrut leben, fehlt plötzlich die Nahrungsbasis. Auch Seehunde und Schweinswale gehen leer aus. Es droht ein Schaden an der Natur der Tideelbe. Denn das Ökosystem des Flusses hängt zwischen der Staustufe von Geesthacht bis in die Nordseemündung vom Stint ab. Über 90 Prozent aller Fische in der Tide-Elbe sind Stinte! Wenn die plötzlich nicht mehr aus dem Meer in den Fluss ziehen, brechen Nahrungsketten und -netze für viele Tierarten zusammen.
Wissenschaftler der Universität Hamburg haben sich zum Ziel gesetzt, die ökologischen Zusammenhänge und Abhängigkeiten rund um die "Schlüsselart" Stint intensiver zu erforschen. Sie wollen den Stint und seine Lebensweise, vom Ei zur Larve, bis hin zum Jung- und Laichfisch, genau beobachten, um den Ursachen für seinen dramatischen Rückgang auf den Grund zu kommen.
Jetzt ist wieder Stintsaison: Alle hoffen - Naturschützer, Forscher, Fischer und Feinschmecker - darauf, dass der Stint in diesem Frühjahr endlich wieder in großen Mengen zum Laichen in die Elbe zieht.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 07.03.2019 um 11:30 Uhr auf NDR.