

Überraschen und irritieren will das Weltmuseum Wien. 2017 eröffnete es nach mehrjährigem Umbau seine Pforten. Der neue Name des ehemaligen Museums für Völkerkunde ist Programm. Denn längst hat sich die ursprüngliche Idee ethnographischer Museen, mit Relikten des Kolonialismus Erklärungen für das "Exotische" zu liefern, überholt. "Es geht um Menschen", so das Motto des Weltmuseums - um Menschen aus aller Welt. Ein Ort der Begegnung möchte es sein.
250.000 ethnographische Gegenstände und rund 300.000 Fotografien und Bücher umfasst die Sammlung. Dazu zählen einzigartige Bronzeskulpturen aus Benin, Schmiedekunst aus Südostasien und die Ikone des Museums: "Penacho", ein kostbarer mit Goldplättchen besetzter Federkopfschmuck der Azteken, entstanden in Mexiko Anfang des 16. Jahrhunderts - der weltweit einzig erhaltene seiner Art.
Markus Brock erkundet das in der Wiener Hofburg beheimatete Weltmuseum zusammen mit seinem Gast, dem erfolgreichen Schriftsteller Franzobel, der 2017 "Das Floß der Medusa" veröffentlichte. Seine Karriere begann der Österreicher als bildender Künstler, bis er Anfang der 1990er Jahre zum Schreiben kam. Literatur ist für ihn zugleich Seelenfutter und Kampf - gegen Verdummung und Ignoranz, "und sie hat die Verantwortung, sich einzulassen auf die Welt", sagt Franzobel.
Sich auf die Welt einlassen, darum geht es auch in Weltmuseum Wien. In 14 Sälen wird die von Grund auf neu konzipierte Schausammlung präsentiert. Der Raum "Im Schatten des Kolonialismus" greift ein zentrales Thema auf: Wie geht man mit der Vergangenheit ethnologischer Museen und kolonialer Raubkunst um? Wem gehört sie und was sagt sie uns heute?
Die Ursprünge des Wiener Weltmuseums reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Zwar besaß Österreich keine eigenen Kolonien, aber seine Machthaber waren dem kolonialen Entdecker- und Sammelfieber nicht minder erlegen. So ersteigerte der österreichische Kaiser Franz I. bei einer Auktion in London 1806 einen Teil der Sammlung des britischen Weltumseglers James Cook. Jagd- und Studienreisen gehörten im 19. Jahrhundert zur familiären Tradition der Habsburger. Drei junge Erzherzöge bereisten damals die Welt. Franz Ferdinand träumte vom größten Privatmuseum Wiens und bestimmte dafür den Corps de Logis in der Hofburg, wo sich noch heute das Weltmuseum Wien befindet.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 30.12.2018 um 22:15 Uhr auf ARD alpha.