ESC zum Schließen · Enter zum Suchen

Schlank dank Operation?

Umstrittener Trend und letzter Ausweg
Donnerstag, 11.10.2018 02:50 Uhr
MDR
Donnerstag
11.10.2018
02:50 Uhr
Teilen:
Bildquelle: Pressebild (ard2017)
Bildquelle: Pressebild (ard2017)

16 Millionen Menschen in Deutschland sind fettleibig. Ihre Zahl steigt. Und immer mehr sehen nur eine Lösung, die Pfunde loszuwerden: die Magen-Operation. Jeder vierte Erwachsene in Deutschland ist stark oder sogar krankhaft übergewichtig. Tendenz steigend- in den vergangenen Jahren um 22 Prozent. Die Diagnose Adipositas  geht für die Betroffenen einher mit einem höheren Risiko, frühzeitig zu sterben. Fettleibigkeit begünstigt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts chronische Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes-mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einzelne Krebserkrankungen.  

Viele Betroffene schaffen es trotz Diät oder Bewegung nicht, ihr starkes Übergewicht dauerhaft loszuwerden. Damit wird Adipositas zu einer wachsenden Herausforderung für das Gesundheitssystem, bestätigt Anja Hilbert, Professorin für Verhaltensmedizin am Forschungs- und Behandlungszentrum für Adipositas-Erkrankungen an der Universität Leipzig: "Es ist wichtig, selbst Verantwortung für seine Gesundheit zu übernehmen, aber ab einem bestimmten Grad der Erkrankung können viele Betroffene das nicht mehr."

Dann besteht der Ausweg oft nur in einer Magen-Operation. Durch den Eingriff wird das Magenvolumen stark reduziert. Die Betroffenen essen weniger, in der Folge purzeln die Pfunde. So weit die Theorie. Denn ein Wunschgewicht oder gar die Wunschfigur erreichen die Patienten nicht in jedem Fall. Hinzu kommt, dass die meisten von ihnen viele bürokratische Hürden nehmen müssen, bevor sie die Operation von der Krankenkasse überhaupt bewilligt bekommen.

Trotzdem steigt mit der Zahl der Adipositas-Fälle auch die Zahl der OPs. Deutschlandweit spezialisieren sich Kliniken auf diese Eingriffe. Während es bei der  technischen Ausstattung keine Probleme gebe, beklagen sowohl Betroffene als auch Ärzte und Forscher, dass die therapeutische Versorgung von Adipositas-Patienten in Deutschland nicht ausreiche. Vor allem fehle es an einer ausreichenden Betreuung in der Zeit nach der Operation. Weder in den behandelnden Kliniken noch im ambulanten Bereich bekämen Ärzte die Nachsorge adäquat vergütet. Und für eine notwendige psychologische Nachbetreuung fehle es an entsprechend ausgebildeten Therapeuten, bestätigt auch Adipositas-Forscherin Anja Hilbert: "Niedergelassene psychologische Psychotherapeuten haben meist sehr wenig oder gar keine Erfahrung mit der postoperativen Nachsorge von Patienten mit Adipositas. Darin besteht in Deutschland wirklich ein großer Nachholbedarf."

Betroffenen-Verbände haben inzwischen eine Petition gestartet, um mithilfe der Politik eine bessere Versorgung von Adipositas-Patienten in Deutschland zu erreichen.

Kritik kommt aber auch von anderer Seite. Dass es immer mehr Magen-Operationen gebe, sei auch Folge einer gesellschaftlichen Stigmatisierung dicker Menschen, so die Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung. Ärzte und Kliniken nutzten diese Entwicklung, weil sich mit den Eingriffen gut Geld verdienen ließe. Es sei endlich an der Zeit, Menschen mit Übergewicht zu akzeptieren, anstatt sie in eine Norm pressen zu wollen.
Film von Anja Walczak und Sven Stephan - aus der Reihe "Exakt - Die Story"

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 11.10.2018 um 02:50 Uhr auf MDR.

Livestream
Details
Audio-Format
stereo
Bild-Format
16:9
Farbe
farbe
Audio-Beschr.
nein
Hoerhilfe
ja
HDTV
ja
Logo-Event
nein
VPS
1539219000
Schlagwoerter
Dokumentation/Reportage, Gesundheit/Medizin