ESC zum Schließen · Enter zum Suchen

Kontrovers - Die Story

Ambulante Intensivpflege: Ein krankes Geschäft
Montag, 01.10.2018 20:15 Uhr
ARD alpha
Montag
01.10.2018
20:15 Uhr
Teilen:
Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild

Die Krankenkassen geben gut vier Milliarden Euro im Jahr für ambulante Intensivpflege aus - können aber schwer überprüfen, ob die abgerechneten Leistungen wirklich erbracht werden. Dubiose Pflegedienste machen sich das zu Nutze. Ein Milliardengeschäft auf Kosten von Schwerkranken ...
Etwa 20.000 Intensivpatienten werden in Deutschland nicht stationär, sondern zu Hause gepflegt. Sie sind auf eine qualifizierte 24-Stunden-Betreuung angewiesen. Ohne diese könnten sie nicht überleben. Doch BR-Recherche und Kontrovers sind auf viele Mängel im System gestoßen.
Bea und Inge A. aus Fürth erleben seit sechs Jahren, was ambulante Intensivpflege bedeutet. Inge A. ist nach mehreren Schlaganfällen von den Schultern abwärts gelähmt. Sie hat eine Trachealkanüle im Hals, ein Röhrchen, das direkt in die Luftröhre führt. Inge A. kann nicht einmal husten, Pfleger müssen ihre Lunge absaugen, erklärt Bea A. Oft können sie es nicht, Bea A. bringt es ihnen bei.
Die Zahl der Intensivpatienten steigt. Der Fachkräftemangel ist gravierend. Laut dem Deutschen Institut für angewandte Pflegewissenschaften fehlen schon jetzt rund 21.000 qualifizierte Kräfte. Das hat zur Folge, dass viel Personal aus dem Ausland kommt. In den vergangenen Jahren verstärkt aus den Ländern des Westbalkans. Die einen sind zwar ausgebildet, aber hier nicht anerkannt und sprechen kaum Deutsch. Andere kommen etwa als Haushaltshilfe nach Deutschland, werden aber trotzdem in der Intensivpflege eingesetzt.
So wie Dana (Anm. der Redaktion: Name geändert) aus Serbien. Sie hatte Monate durchgearbeitet und dafür kaum Geld bekommen, nur etwa zwei Euro brutto die Stunde, erzählt sie. Es hat lange gedauert, ehe sie sich entschloss, ihre Geschichte öffentlich zu erzählen. Noch immer hat sie Angst vor ihrem Ex-Chef und will daher anonym bleiben.
Für die Kontrolle der Intensivpflegedienste ist der Medizinische Dienst der Krankenkassen zuständig. Aber der MDK meldet sich in der Regel 24 Stunden vorher an. Das nutzen Dienste, um Papiere zu schönen oder Hilfskräfte gegen Fachkräfte auszutauschen.
"Kontrovers" geht den Dingen auf den Grund - neugierig und mit sorgfältiger Recherche. Das Team unter Leitung von Andreas Bachmann liefert Hintergründe und Analysen zu aktuellen Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die "Kontrovers"-Reporter sprechen mit den Menschen vor Ort, decken Missstände auf und konfrontieren die Verantwortlichen. Damit stößt "Kontrovers" Diskussionen an und setzt Themen - engagiert, hartnäckig und pointiert.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Montag, den 01.10.2018 um 20:15 Uhr auf ARD alpha.