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Rund um den Michel

Boomtown Hamburg
Sonntag, 07.10.2018 18:00 Uhr
NDR
Sonntag
07.10.2018
18:00 Uhr
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Bildquelle: Pressebild (ard2017)
Bildquelle: Pressebild (ard2017)

BaakenNest im Hafen Es ist eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas: der Bau der Hafencity. Der westliche Teil ist schon fertig. Der östliche Teil, das Baakenhafen-Quartier wird zurzeit bebaut. Insgesamt sollen mehr als 7.500 Wohnungen für circa 15.000 Bewohner entstehen. "Rund um den Michel" hat einige der Pioniere in dem neuen Viertel begleitet. Dazu gehört Mario Kretschmer. Der 35-Jährige hat das Restaurant BaakenNest im April eröffnet. Noch sind die meisten seiner Gäste Touristen und Arbeiter der umliegenden Baustellen. Doch er glaubt fest daran, dass die Hafencity ein lebendiger Stadtteil und sein Restaurant ein Treffpunkt für die langsam wachsende Nachbarschaft wird.

Tinyhouse Vor ein paar Jahren ist ein ganz aktueller Wohntrend aus den USA nach Europa und auch nach Deutschland gekommen: die sogenannten Tinyhouses. Das sind winzige Häuser für Leute, die ein Leben ohne unnötigen Ballast führen wollen. Für Menschen, die zwar Wohneigentum besitzen möchten, aber sich trotzdem nicht auf einen festen Wohnort festlegen wollen. Der Hamburger Jean-Pierre Jacobi ist einer der Pioniere dieser Bewegung in Deutschland und produziert mit seiner kleinen Start-up-Firma Tinyhouses, die auf sogenannten Wechselbrücken für Lkw gebaut sind und sich somit jederzeit unproblematisch und kostengünstig an einen anderen Standort transportieren lassen.

Neues Leben im Bunker Wie schafft man Wohnraum in einer Metropole, in der es kaum noch freie Grundstücke gibt? In Hamburg wenden sich Architekten verstärkt Bauwerken zu, die während des Zweiten Weltkriegs entstanden sind, denn in keiner anderen deutschen Stadt haben die Nationalsozialisten so viele Bunker errichtet wie in der Freien und Hansestadt. Am auffälligsten sind die mehr als 70 noch existierenden Hochbunker verteilt über ganz Hamburg. Architekt Rainer Mielke ist so etwas wie ein "Weltmarktführer" im Bunker- Umbau. Bereits vor 20 Jahren hat er sich mit seinem Architekturbüro auf den Umbau von Bunkern spezialisiert. Momentan errichtet er Wohnungen in einem Bunker in Hamburg-Eilbek und entwickelt so neues Leben in den alten Betonklötzen.

Neue Mitte Altona Das größte und aufregendste Neubaugebiet direkt nach der Hafencity liegt in Altona. Dort sollen in den nächsten Jahren auf den Brachflächen des ehemaligen Güterbahnhofs 3.500 neue Wohnungen entstehen. So viele, dass gleich ein ganz neuer Stadtteil entstehen soll, die Neue Mitte Altona. Vor rund einem Jahr sind die ersten Wohnungen fertiggestellt worden, drei von vier Kitas haben ihren Betrieb aufgenommen. Als nächstes wird eine Schule gebaut. "Rund um den Michel" hat den Hauswart der SAGA begleitet, der hier 180 Wohnungen und ihre Mieter betreut.

Hamburg-Erbauer Jochen Capell hat in Hamburg überall Bauwerke entweder selbst mit errichtet oder sie stammen zumindest von der 1869 gegründeten Baufirma HC Hagemann. Capell ist Polier und arbeitet dort seit fast 30 Jahren, ebenso wie sein Bruder und zuvor schon ihr Vater. Zwei Generationen an Hamburg-Erbauern also, die an prestigeträchtigen Bauwerken wie dem Lighthouse in der Hamburger Hafencity oder der neuen Kattwykbrücke im Hafen mitgebaut und in Harburg das neue Gesicht eines ganzen Stadtteils mitgeprägt haben. "Rund um den Michel" hat Jochen Capell zu einigen seiner Bauwerke begleitet und erfährt, welches davon selbst den erfahrenen Vater zum Staunen gebracht hat.

Wie wohnen wir in der Zukunft? In Hamburg wird gebaut und gebaut. Experten haben berechnet, dass in der Freien und Hansestadt 15.000 neue Wohnungen pro Jahr benötigt werden. In Zukunft soll vor allem auch in die Höhe gebaut werden, denn gerade im Zentrum fehlt Platz. In der Hafencity entstehen neue Wohnhochhäuser, zum Beispiel die Wildspitze, mit 64 Metern Deutschlands höchstes Haus aus Holz. Aber auch die Frage nach der Bezahlbarkeit zukünftigen Wohnens treibt Stadtplaner, Quartiersmanager und Architekten um. Sind acht Euro Kaltmiete pro Quadratmeter ein realistisches Ziel? In der Hobenköök im Oberhafen In Hamburg werden ehemalige Industrieflächen umgenutzt, in den alten Hallen des Oberhafens haben sich immer mehr Kreative angesiedelt. Vor Kurzem hat hier die Hafenküche Hobenköök eröffnet, eine Markthalle für regionale Produkte mit integriertem Restaurant. Julia-Niharika Sen interviewt einen der Gründer, den Koch Thomas Sampl, und Ulf Schönheim von der Regionalwert Hamburg AG, die dafür sorgt, dass hier ein Netzwerk aus regionalen Anbietern seine Produkte platzieren kann.

Edel-Getto: Sophienterrassen Direkt am westlichen Alsterufer, nur getrennt vom Alstervorland mit seinen Liegewiesen und alten Bäumen, liegt Hamburgs exklusivstes Neubauprojekt: die Sophienterrassen. Bis 2005 wurde das 44.000 Quadratmeter große Gelände in Premiumlage von der Bundeswehr als Standortkommandantur genutzt. Jetzt sind dort Luxuswohnungen mit Quadratmeterpreisen bis zu 18.000 Euro entstanden. Entworfen von namhaften Architekten und bezogen von Hamburgern und Menschen aus aller Welt, die sich eine solche Immobilie leisten können.

Mümmelmannsberg-Hymne In der Großsiedlung Mümmelmannsberg werden jedes Jahr rund 200 Kinder geboren. Die Neugeborenen sind das Thema einer außergewöhnlichen Klanginstallation auf dem Dach eines der Wohnhochhäuser in Mümmelmannsberg: Ab November soll eine Willkommensmelodie für Neugeborene durch die Siedlung schallen, immer wenn eine neues "Mümmel"-Baby zur Welt kommt. Dafür legen sich die Mümmelmannsberger ordentlich ins Zeug, denn die Hymne soll möglichst viele Facetten des Stadtteils abbilden und natürlich gut klingen!
Ode an die Lücke Hamburg muss wachsen, keine Frage. Und Hamburg braucht Wohnungen. Aber die Freie und Hansestadt soll ja auch lebenswert bleiben, dabei braucht sie nicht nur Platz für Grün, sondern auch für Kreativität, für Begegnungen, für Leben. Und all das entsteht oft ausgerechnet da, wo sich in der Großstadt mal Lücken ergeben, die nicht komplett durchgeplant und bebaut sind.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 07.10.2018 um 18:00 Uhr auf NDR.