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Allein auf Station

Wie weiter mit der Krankenpflege?
Donnerstag, 20.09.2018 20:15 Uhr
tagesschau24
Donnerstag
20.09.2018
20:15 Uhr
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Bildquelle: Pressebild (ard2017)
Bildquelle: Pressebild (ard2017)

Allein mit 30 Patienten auf Station. Das ist in deutschen Krankenhäusern immer häufiger keine Ausnahme mehr. Mitarbeiter werden ständig aus dem freien Wochenende geholt oder zu Überstunden genötigt, weil sonst der Dienstplan zusammenbricht. Nach Angaben der Gewerkschaft ver.di fehlen 80.000 Pflegekräfte im Krankenhaus.
Der Krankenpfleger Fritz Nolting ist im katholischen St. Franziskus Hospital in Münster tätig. Den 50-jährigen bringen besonders die Nachtschichten ans Limit. "Ich erlebe, dass Freunde, Kollegen, die heulen in der Umkleidekabine, weil sie eine harte Nacht gehabt haben. Und die sind dann auch wirklich verzweifelt. Es kriegt ja keiner mit."

Die 53-jährige Fachschwester Katrin Schröder arbeitet im kommunalen Klinikum Augsburg. Sie liebt ihren Beruf, doch sie muss immer mehr Patienten in kürzerer Zeit versorgen. Viele davon sind älter und kommen mit Mehrfacherkrankungen in die Klinik. "Ohne ein privates Netzwerk aus Familie, Freunden und Nachbarn hält man den stressigen Wechselschichten, Wochenenddiensten und Überstunden nicht lange stand." So ihre eigene Erfahrung.

Karl H. Beine, Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Witten-Herdecke, kommt zu einem dramatischen Urteil. Chronische Überlastung und mangelnde Unterstützung der Pflegenden begünstigten ein Klima des "Wegsehens", das tätliche Übergriffe bis hin zum Serienmord geschehen lasse. Seit Jahrzehnten forscht der Arzt und Psychotherapeut zum Tabuthema "Gewalt im Krankenhaus". 2015 legte er eine alarmierende Studie zu Übergriffen von Pflegern und Ärzten im Krankenhaus vor. Ursache der Pflegemisere ist für ihn auch die Privatisierungswelle im Krankenhauswesen, die den Wettbewerb und den Kostendruck ständig anheize. Während in Deutschland eine Fachkraft 13 Patienten betreut, sind es in Norwegen oder den Niederlanden maximal fünf.

Die Mitarbeiter der Berliner Charité, Europas größtem Krankenhaus, haben deshalb demonstriert und gestreikt. Ein lauter, zorniger Hilferuf, der Wirkung zeigt.

Mit Hochdruck versuchen Krankenhäuser und Politiker Auswege aus dem Pflegenotstand zu finden. So verspricht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Pflege, die im Abrechnungssystem der Fallpauschalen zu kurz kommt, mit einem eigenen Etat auszustatten. Und auch in den Krankenhäusern sucht man nach Lösungen: Im katholischen St. Franziskus Hospital in Münster setzt man auf die "Pflege der Pflegenden". Im Evangelischen Krankenhaus Mettmann sucht man das Heil in der Digitalisierung aller Arbeitsbereiche und am Universitätsklinikum Halle (Saale) wird erprobt, ob Roboter die Krankenpflege entlasten können.

Der Film "Allein auf Station - Wie weiter mit der Krankenpflege?" beschreibt den Alltag von Pflegekräften, benennt Ursachen des Pflegenotstands und stellt Krankenhäuser vor, die nach Modellen und Wegen für eine bessere Pflege suchen. Film von Ulli Wendelmann

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 20.09.2018 um 20:15 Uhr auf tagesschau24.

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Dokumentation/Reportage, Gesundheit/Medizin, Ausbildung/Beruf, Menschen im Alltag