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Die Rückkehr der Seehunde

Freitag, 28.09.2018 21:35 Uhr
Schweiz 2
Freitag
28.09.2018
21:35 Uhr
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Nach der verheerenden Epidemie, die 1988 fast den ganzen Nordseebestand der Seehunde vernichtet hatte, jubelt nun die Tourismusindustrie: Seehunde bevölkern die Küsten Norddeutschlands in noch nie dagewesenen Zahlen. Mehr als 30 000 Tiere sollen im europäischen Wattenmeer sein. Durch menschliche Fürsorge und Eingriffe sollen die Seehundbestände im Wattenmeer dauerhaft gesichert werden. Ein Erfolg mit Kehrseite: Für das Ökosystem der Nordsee sind es zu viele Tiere, meinen Kritiker. Trotz aller Warnungen werden immer noch Jahr für Jahr einige hundert Tiere, Jungtiere, die von ihren Eltern abgestossen wurden, in den beiden Aufzuchtstationen in Schleswig-Holstein und Niedersachsen von Menschenhand grossgezogen. Fischer Dirk Sander regt sich auf: "Das Gleichgewicht im Meer ist jetzt schon aus den Fugen." Plattfische wie Scholle, Seezunge oder Flunder haben er und die anderen Küstenfischer schon lange nicht mehr im Netz. Er glaubt, dass die Seehunde den Küstenbereich leergejagt haben. Etwa fünf Kilogramm Fisch frisst ein Seehund im Schnitt am Tag. Auch die Wissenschaftlerin Ursula Siebert von der tierärztlichen Hochschule Hannover sieht die künstliche Aufzucht der Seehunde kritisch. Sie hat festgestellt, dass die Antikörper gegen das Staupevirus, das für das letzte Massensterben verantwortlich war, weitgehend aus dem Immunsystem der Seehunde verschwunden sind. "Wenn sich nur die Starken und Gesunden durchsetzen, ist auch der Nachwuchs stark und gesund." Schon die nächste Krankheitswelle könnte zu einem erneuten Massensterben führen. Die Rückkehr der Seehunde wurde durch menschliche Fürsorge erst ermöglicht. Ob dieser massive Eingriff in das maritime Ökosystem die Seehundbestände im Wattenmeer dauerhaft sichert, ist nicht garantiert.

Die Sendung wird ausgestrahlt am Freitag, den 28.09.2018 um 21:35 Uhr auf Schweiz 2.