

"Mütterchen Wolga", so nennen die Russen zärtlich einen der mächtigsten Flüsse Europas mit 3.500 Kilometern Länge. Die Wolga ist eine der wichtigsten Lebensadern des russischen Riesenreiches, wird in Liedern besungen und in Gedichten verehrt. Sie gilt als Sinnbild Russlands, als Ausdruck der berühmten russischen Seele. Der mächtige Fluss wurde von der berühmten Kaufmannsfamilie Stroganov im Auftrag des Zaren als Verkehrsader zum Transport von Pelzen und Rohstoffen genutzt. Der Jahrmarkt von Nischni Nowgorod war im alten Russland so berühmt wie in Deutschland die Frankfurter und Leipziger Messe. Von Nischni aus gingen Rohstoffe und Pelze in alle Welt. Siedlungen, Kirchen, Klöster und Städte entstanden im Mittelalter am Fluß als Bollwerk des orthodoxen Russland gegen die Tataren. Später wurde die Wolga nicht nur für Russen, sondern gerade auch für Deutsche zum Schicksalsfluss: Stalingrad, heute Wolgograd, markierte den Anfang vom Ende des Großen Vaterländischen Krieges und wurde zum Grab für 700.000 Menschen. Heute ist Kasan Zentrum des muslimischen Russland. Ganz in der Nähe entsteht eine Art russisches Silicon Valley. In Astrachan schließlich ergießt sich die Wolga in das 19.000 Quadratkilometer große und aus 800 Wasserarmen bestehende Wolgadelta und fließt ins Kaspische Meer. Dort ist auch die Heimat eines der ältesten Lebewesen der Erdgeschichte, des Störs. Film von Rita Knobel-Ulrich
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 02.09.2018 um 21:00 Uhr auf PHOENIX.