1926 fragte ein Herr Hitler aus München bei der italienischen Botschaft in Berlin an, ob man ihm nicht ein signiertes Foto von Mussolini zukommen lassen könnte. Die Bitte wurde abgeschlagen. Dafür stand von nun an die Bronzebüste des Italieners in Hitlers Arbeitszimmer in der Münchner NSDAP-Zentrale. Zeugnis einer großen Verehrung, die ahnen lässt, wie sehr die Figur des Duce, sein imposant inszenierter "Marsch auf Rom" der 26.000 Schwarzhemden im Jahr 1923 und das gesamte Gehabe der faschistischen Diktatur in Italien den deutschen Nationalsozialismus und seinen Führerkult inspiriert hat. Nicht zufällig wurde Hitler nach dem missglückten Putsch in München 1923 von seinen Anhängern als "Mussolini Deutschlands" gefeiert.
Führerhauptquartier am Nachmittag des 20. Juli 1944: Hitler, vom Attentat gezeichnet, begleitet Mussolini nach dessen kurzer Visite in der "Wolfschanze" zum Zug. "Duce, glauben Sie mir bitte, wenn ich Ihnen heute sage, dass Sie mein bester Freund und vielleicht mein einziger Freund sind, den ich auf der Welt habe". Noch im Februar 1945 sagte Hitler in seinem Berliner Bunker: "Der Duce ist mir ebenbürtig, vielleicht sogar überlegen, wenn man ihn an dem misst, was er für sein Volk gewollt hat".
Freunde oder Rivalen - sie waren einander in wechselnden Rollen verbunden: am Anfang der Meister und sein ferner Bewunderer; dann Konkurrenten, schließlich Bündnispartner und Spießgesellen; zuletzt Kriegsherr der eine, der andere nur noch ein Vasall. Vereint waren sie in Größenwahn und Untergang. Was sie gewollt hatten, war unter der Kriegsfurie zerstoben. Was sie erreicht hatten, war: unermessliche Zerstörung, unermessliches Leid.
Wäre Hitler möglich gewesen ohne den Faschismus, das historische Modell, ohne den "Duce" mit dem moderaten Image? Ein Mythos, der zur Geschichte jener politischen Unterschätzung gehört, die Hitler in den Sattel verhalf. Wie wäre das imperiale Abenteuer Mussolinis ausgegangen ohne diese dämonische Verstrickung mit dem Achsenpartner? Wäre ihm das schreckliche Ende erspart geblieben: als politische 'Bestie' zur Strecke gebracht? Sie brauchten einander, trotz aller Gegensätze. Hitler, dessen politischer Fanatismus sich an der "Schmach von Versailles" entzündete, und Mussolini, der sich vom Sozialisten zum glühenden Nationalisten wandelt, von einer neuen Größe Italiens träumte. Beide wollten für ihre Großmachtpläne die europäische Nachkriegsordnung umstürzen. Sie würden zueinander finden, es war nur eine Frage der Zeit.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 24.07.2018 um 18:30 Uhr auf PHOENIX.