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Der taumelnde Kontinent - 1900 - 1914 (3/3)

Die neuen Massen
Montag, 25.06.2018 06:45 Uhr
PHOENIX
Montag
25.06.2018
06:45 Uhr
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Die Städte wuchsen und quollen über. Die Industrialisierung spülte Massen in die dynamisierten urbanen Räume. Was die Menschen dort im Gedränge erfuhren, war so noch nie da gewesen. Autos, Straßenbahnen und Schnellzüge durchschnitten Tag und Nacht die Städte. Die Wege verkürzten sich, die Zeit wurde gerafft.
Ständig neuer Erfahrung ausgesetzt, bewegte sich der Einzelne in der Stadt mit unzähligen anderen. Die Masse bewegte die Gesellschaft voran und jeder war ein Teil von ihr.

Lebensgewohnheiten veränderten sich. Zum ersten Mal in der Geschichte benutzten Millionen von Menschen öffentliche Verkehrsmittel, um zur Arbeit zu kommen. Und am Wochenende strömten die Menschen in die Sportstadien, um sich Fußballspiele oder Pferderennen anzusehen. Es hatte etwas Neues, Aufregendes und Faszinierendes, Teil zu sein von einer riesigen anonymen Menschenmenge. Einer Menge, die ihren eigenen Willen zu haben schien.

Riesige Kaufhäuser boten alle erdenklichen Waren an. Die Stunde des Konsums hatte geschlagen und in allen Städten entstanden gigantische Verkaufsmaschinen. Das palastartige Kaufhaus Dufayel in Paris war ein Tempel der Konsumententräume. Hier mussten die Kunden nur 20 Prozent Anzahlung leisten und konnten den Rest auf Raten zahlen. 1900 hatte Dufayel bereits 3 Millionen Kunden und 400 Filialen. Das Angebot richtete sich nicht an den wohlhabenden Mittelstand, sondern an Menschen mit bescheidenen Einkommen.

Kinos zeigten Filme aus aller Welt. Und gaben Einblicke in die intimsten Situationen. Im Kino konnten die Menschen selbst sehen, was sie vorher nur aus Zeitungen und Büchern kannten: wichtige Ereignisse, Katastrophen und ferne Länder. Niemals zuvor war es möglich gewesen, dieselbe Erfahrung gleichzeitig an verschiedenen Orten zu machen. Diese Technologie veränderte die Sicht der Menschen auf die Welt. Kinos machten Menschen weltweit zu einer einzigen Erfahrungsgemeinschaft.

Die Welt in der wir leben wurde vor 1914 geboren, denn die großen emotionalen, intellektuellen und wissenschaftlichen Veränderungen entstanden in diesen Jahren. Niemals zuvor hatte es so viele Gründe gegeben, optimistisch zu sein. Aber niemals zuvor hatten auch so viele Menschen skeptisch in die Zukunft geblickt. Europas Herrscher von Gottes Gnaden bestanden auf ihren absoluten Machtanspruch. Neue Massen in alten Nationen schufen eine gefährliche Dynamik. Und die Industrie belieferte sie alle mit Konsum und Rüstungsgütern. Ein Anlass sollte genügen, um diese monströse Maschinerie in Gang zu setzen. Film von Philipp Blom und Robert Neumüller

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Montag, den 25.06.2018 um 06:45 Uhr auf PHOENIX.

Details
Audio-Format
stereo
Bild-Format
16:9
Farbe
farbe
Audio-Beschr.
nein
Hoerhilfe
nein
HDTV
nein
Logo-Event
nein
VPS
1529901900
Schlagwoerter
Dokumentation/Reportage, Geschichte
Alternative Ausstrahlungstermine
25.06.2018 06:45PHOENIX