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Lotte Reiniger

Tanz der Schatten
Dienstag, 10.07.2018 01:30 Uhr
arte
Dienstag
10.07.2018
01:30 Uhr
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Bildquelle: Pressebild (ard2017)
Bildquelle: Pressebild (ard2017)

Die 1899 in Berlin geborene und 1981 im Dettenhausen bei Tübingen verstorbene Lotte Reiniger gilt heute als die bedeutendste Pionierin des Animationsfilms. Sie hinterlässt ein gewaltiges Werk mit 44 Filmen, Scherenschnitten, Zeichnungen, Fotos und Schattenrissen berühmter Filmpersönlichkeiten. Mit "Das Ornament des verliebten Herzens" entsteht 1919 ihr erster Film: Auf einem selbst gebauten Tisch fotografiert Reiniger ihre Silhouetten und setzt sie so in Bewegtbild um. Die Dokumentation "Tanz der Schatten" nimmt die Aktualität des Werks Reinigers zum Anlass einer neuen Auseinandersetzung mit dem Silhouettenfilm und dem Schattentheater, zu deren Entwicklung die Berlinerin entscheidend beigetragen hat.
So wird sie von zeitgenössischen Filmemachern und Animationskünstlern in Filmen wie "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" (2010) oder "Tales of the Night" (2011) zitiert. Ausgangspunkt der Dokumentation ist der umfangreiche Nachlass im Stadtmuseum Tübingen, wo die Filmrecherche ihren Anfang nimmt, bis hin nach Berlin und London, den wichtigsten Stationen im Leben der Lotte Reiniger. Ihre narrative und ästhetische Kreativität, die mit Hilfe von Schere und Papier zeitlose Märchenwelten für Jung und Alt schafft, lohnen diese Ausnahmekünstlerin neu zu entdecken. Das flackernde Schattenspiel an der Wand kann als Urszene des Kinos verstanden werden. Zwei Hände, eine Lichtquelle und eine Projektionsfläche genügen, um Kindern eine spannende Schattengeschichte vorzuführen, die ihre Fantasie anregt. Der Schatten als lediglich andeutendes Bild öffnet einen Imaginationsraum zwischen Text und Bild, den der Beobachter mit eigenen Ideen und Gefühlen füllen kann. Liest ein Leser einen Text, entstehen die dazugehörigen visuellen und akustischen Eindrücke vor seinem inneren Auge und Ohr. Betrachtet er ein Bild, öffnen sich - in Abhängigkeit von dessen Gestaltung - andere Leerstellen für die Fantasie. Die Bandbreite des Bildlichen reicht vom geheimnisvollen Schatten über die andeutende Silhouette zur skizzenhaften Karikatur bis hin zur fein ausgearbeiteten Bildkomposition, deren Reiz im Zeigen statt im Verbergen besteht. Allerdings besitzt die visuelle Andeutung eine ganz besondere Macht über die Fantasie des Menschen. Dessen Wahrnehmung ist konstruktiv, das heißt, dass er aus wenigen Elementen Simultanformen, "Bezugsfiguren des Sehens" (Johannes Itten) bilden und mit Bedeutung anreichern kann.
Das Spiel mit dem Schatten und dessen Animation im Film gehören jedoch nicht der Vergangenheit an; ganz im Gegenteil, sie sind hochaktuell! Im ersten Teil des Films "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes I" (2010) gestaltete Ben Hibon, ein Animationskünstler aus der Schweiz, das "Märchen der drei Brüder", in Hommage an Lotte Reinigers Schatten- und Silhouettenkunst als 3D-Animation. Die Produktion der dreiminütigen Sequenz dauerte ein halbes Jahr, weil eine technische Transformation und Integration der zweidimensionalen Schatten- und Silhouettenästhetik in die dreidimensionale Raumillusion des Realfilms erreicht werden musste. Die Kamera sollte durch die transparente Welt der Papiersilhouetten und Schatten hindurch fliegen, in eine körperlos schwebende Traumwelt, der Allegorie über Leben und Tod. Der Franzose Michel Ocelot ist ein Vertreter des aktuellen internationalen Animationskinos. Ocelot hat mit fast allen Techniken des Animationsfilms gearbeitet, von Zeichnungen bis hin zu Computeranimationen. Sein Film, das Märchen "Tales of the Night" widmet sich wieder der Silhouettentechnik im Stil Lotte Reinigers.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 10.07.2018 um 01:30 Uhr auf arte.

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Dokumentation/Reportage, Porträt/Biografie, Animation, Kino
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18.07.2018 01:50arte10.07.2018 01:30arte