

Der libysche Journalist und Kameramann Osama Al-Fitori hat die Minenräumer zwei Jahre lang immer wieder bei ihrer gefährlichen Arbeit begleitet. Aus nächster Nähe dokumentiert er, wie die Männer ohne Metalldetektoren und Schutzkleidung Sprengsätze suchen, finden und entschärfen.
Die Fallen sind die tödliche Hinterlassenschaft des IS. Nach dem Sturz des Diktators Muammar al-Gaddafi zogen 2014 die Islamisten in Bengasi ein. Es folgte ein blutiger Bürgerkrieg. Erst 2017 gelang es der Armee des libyschen Generals Haftar, die Terroristen nach brutalen Häuserkämpfen aus Bengasi zu vertreiben. Übrig blieb ein Trümmerfeld mit unzähligen Sprengfallen, die bis heute Opfer fordern und einen Neuanfang unmöglich machen - die späte Rache des IS auf dem verlorenen Terrain.
"Die Minenräumer von Bengasi" zeigt das fast aussichtslose Unterfangen, Bengasi von diesen Sprengsätzen zu säubern. Ein eindringlicher Film, der den Zuschauer die enorme Anspannung der Minenräumer und bisweilen auch des Kameramannes bei dieser lebensgefährlichen Arbeit spüren lässt. Eine Reportage, die wie eine Parabel auf dieses verwüstete Land wirkt. Mit Protagonisten, die einen Sinn sehen, wo alles sinnlos erscheint: in den Ruinen einer einst blühenden Stadt, gelegen an ausgedehnten Stränden, die zu den schönsten des Mittelmeers zählen.
Gleichzeitig eröffnet der Film für westliche Betrachter einen völlig neuen Blick auf Libyen. Er zeigt, dass dieses gebeutelte Land nicht nur von schwerbewaffneten Menschenhändler-Banden, rivalisierenden Stämmen und Terroristen beherrscht wird. "Die Minenräumer von Bengasi" macht deutlich, dass es in Libyen Menschen gibt, die ihr Land normalisieren, die Gewalt beenden und den Weg in eine friedliche Zukunft bereiten wollen. * Thema: Libyen - Unruheherd vor den Toren Europas
Libyens große Not entspringt aus zwei Quellen: Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Gaddafi im Herbst 2011 versinkt das Land im Bürgerkriegschaos. Das Mittelmeerland ist zudem eines der Haupttransitländer für Flüchtlinge aus Afrika auf ihrem Weg nach Europa, und die Zustände in den Flüchtlingslagern gelten als menschenunwürdig. Forderungen nach der Einrichtung von Auffanglagern für Flüchtlinge stoßen daher auf heftige Kritik.
ARTE widmet dem krisengeschüttelten Libyen einen Themenabend: Begleitet werden Minensucher bei ihrer lebensgefährlichen Arbeit durch das Land. Um Leben zu retten und einen Aufbruch des politisch gelähmten Landes zu ermöglichen, riskieren die Männer tagtäglich ihr eigenes Leben.
Ein zweiter Film begleitet einen Exil-Libyer in sein Heimatland. Der Politikwissenschaftler lebt seit 15 Jahren in München und hofft, das zerrissene Libyen, das derzeit in weiten Teilen von bewaffneten Milizen kontrolliert wird, zu stabilisieren und zu demokratisieren. Zwei Regierungen und der IS kämpfen dort um die Macht. Ein Roadmovie durch ein zerstörtes Land, das für die ganze Welt eine große geopolitische Bedeutung trägt.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 12.06.2018 um 22:50 Uhr auf arte.