

Seit Anfang der 1970er-Jahre sorgen Jugendliche mit dem Interrail-Pass der Bahn für volle und auch überfüllte Urlauberzüge in ganz Europa. Urlaub mit Rucksack mit dem Zug. Interrail bedeutet Freiheit, Abenteuer und die Alternative zum Familienurlaub in Bettenburgen mit Vollpension.
1972 begann die Deutsche Bundesbahn mit dem Verkauf einer völlig neuartigen Fahrkarte, dem Interrail-Pass. Für junge Menschen bis 21 Jahre war das Ticket der Eintritt in die große weite Welt. Das Angebot: einen Monat lang freie Fahrt durch 21 Staaten Europas für 240 Deutsche Mark.
Im Sommer 1988 ging es los. Das Ziel von Corinna Nilson und ihren Freundinnen hieß Lissabon. Um das Geld für die Übernachtung zu sparen, schliefen sie oft im Zug. Das Geld reichte meistens nur für Weißbrot und Käse. Aber die Freiheit hat ihr die Sicherheit gegeben, auch in fremden Ländern zurechtzukommen und Verantwortung übernehmen zu können.
Ulrich Ante ist schon seit Jahrzehnten als Zugbegleiter der Deutschen Bahn im Fernreiseverkehr unterwegs. Seit 1972 musste er sich an junge Menschen gewöhnen, die auf den Sitzbänken der Abteile, in den Gängen und sogar in den Gepäckablagen schliefen. Schnell stellte er fest, dass diese Jugendlichen sehr unkompliziert sind. Und oft hat er ein Auge zugedrückt, wenn auf der Fahrt nach Hause das Geld fehlte.
Matthias Brömmelhaus machte sich 1975 mit zwei Freunden auf den Weg nach Griechenland. Die Fahrt nach Athen dauerte mehrere Tage. Mit dem Zug haben sie das Festland und Kreta bereist. An den meisten Orten sind sie die einzigen Touristen. Die Begegnungen mit der Bevölkerung prägen ihn für sein ganzes Leben.
Der Film von Jörg Stolpe ist die erste umfassende Dokumentation über den Mythos Interrail, der auch heute in Zeiten von massenhaften Billigflugangeboten seinen Reiz nicht verloren hat.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 09.06.2018 um 11:30 Uhr auf Radio Bremen TV.