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Pawlenski

Der Mensch und die Macht
Donnerstag, 07.06.2018 23:45 Uhr
SWR
Donnerstag
07.06.2018
23:45 Uhr
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Bildquelle: Pressebild (ard2017)
Bildquelle: Pressebild (ard2017)

Er näht sich den Mund zu, wickelt sich in Stacheldraht, schneidet sich ein Ohrläppchen ab. Der russische Politkünstler Pjotr Pawlenski wählt drastische Aktionen, um der Welt zu zeigen, wie es in seinem Land um Meinungsfreiheit und politische Teilhabe bestellt ist. Bei den meisten Aktionen liegt er liegt nur da, steht oder sitzt.

Aktiv sind die Vertreter der Macht, schleppen ihn weg, verheddern sich in Draht, versuchen seine Nacktheit zu bedecken. Groteske Szenen. Als er 2015 die Tür des Geheimdienstes anzündet, wird er festgenommen. Auch in der Haft und vor Gericht gelingt es Pawlenski, Psychiater zu verwirren und Richter mit seiner Wortgewalt zu provozieren. Ein einzelner Künstler gegen einen mächtigen Apparat. 2012 erregt der russische Politkünstler Pjotr Pawlenski international Aufsehen, als er sich den Mund mit einem groben Faden zunäht, um in St. Petersburg den verurteilten Mitgliedern von "Pussy Riot" seine Solidarität zu bezeugen. Künstler - so will er zeigen - seien in Russland zum Schweigen verurteilt. Im November 2013 setzt er sich nackt auf den Roten Platz in Moskau und nagelt seinen Hodensack fest. Die Aktion steht für politische Gleichgültigkeit in der russischen Gesellschaft.

Bei den meisten Aktionen liegt Pawlenski nur da, steht oder sitzt. Aktiv sind die Vertreter der Macht, wenn sie ihn wegschleppen, sich in Stacheldraht verheddern, seine Nacktheit zu bedecken versuchen. Groteske Szenen. Erste Versuche, den Künstler anzuklagen, verlaufen im Sand. Eine Ärztin weigert sich, ihn für unzurechnungsfähig zu erklären. Ein Untersuchungsrichter ist so fasziniert, dass er statt eines Verhörs ein lockeres Gespräch über Kunst und Politik mit ihm führt. Pawlenski hat es heimlich aufgezeichnet.

2014 zündet er mit Helfern Reifen auf einer Petersburger Brücke an, sie schwenken die ukrainische Fahne, um die Maidan-Bewegung zu unterstützen. Anklage wegen Vandalismus. Als er im November 2015 die Tür des FSB (früher: KGB) anzündet, wird ein zweiter Prozess in Moskau gegen ihn angestrengt. "Das Tor zur Hölle brennt nicht" - der Angriff auf den russischen Geheimdienst hat sein Tor zur Außenwelt erst mal verschlossen.

Mit Mut und Ausdauer ist die Autorin Irene Langemann 2015 und 2016 nach Russland gereist, um Pjotr Pawlenski in Freiheit und während seiner Zeit in Haft zu begleiten. Wer ist dieser Mann, der für Freiheit kämpft um den Preis seiner eigenen? Dank Originalprotokollen von Gerichtsverhandlungen sind der Autorin entblößende und amüsant-groteske Szenen gelungen, die den Kampf eines einzelnen Künstlers gegen den Staatsapparat zeigen.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 07.06.2018 um 23:45 Uhr auf SWR.

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Dokumentation/Reportage, Kunst, Politik, Russland