

Das Gebiet, wo sich der Jenissej ins Nordmeer ergießt, ist für Ausländer gesperrt. Man braucht eine Ausnahmegenehmigung vom russischen Geheimdienst FSB. Der hohe Norden ist eine der rohstoffreichsten Regionen Russlands. Unweit des Jenissej liegt Norilsk mit dem größten Nickelwerk der Welt. Ein halbes Jahr ist es hier, jenseits des Polarkreises, dunkel und eisig kalt. Das Werk zahlt hohe Löhne, um die etwa 60.000 Arbeitskräfte für das gigantische Werk bei der Stange zu halten.
In den 1930er-Jahren wurden Menschen nach Norilsk deportiert oder abkommandiert. Die Stadt ist eine Schöpfung der Stalinzeit. Die ersten Industriebetriebe wurden von Gefangenen gebaut: Das Lager Norilag war einer der größten Komplexe des sowjetischen Gulag. Zehntausende politische Gefangene sind dort an Kälte, Schwäche und Hunger gestorben.
Stalin wusste, was er tat, als er die Menschen in den hohen Norden schickte, denn er selbst wurde an den Jenissej verbannt. Einst stand ein gigantisches Stalin-Denkmal am Fluss. Die Alten wissen noch heute zu berichten, dass nach dem Tod Stalins und den Enthüllungen über seine Verbrechen aufgebrachte Bauern das Denkmal auf einen Traktor luden und im Fluss versenkten. Nur der Sockel blieb stehen und ist vom Ufer aus zu besichtigen.
Film von Rita Knobel-Ulrich
Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 09.05.2018 um 07:45 Uhr auf Phoenix.