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Typisch! Konrad, der Fliesenkönig

Film von Christine Weiland
Donnerstag, 31.05.2018 18:15 Uhr
Radio Bremen TV
Donnerstag
31.05.2018
18:15 Uhr
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Bildquelle: Pressebild (ard2017)
Bildquelle: Pressebild (ard2017)

Geboren ist Konrad Schittek in einem der historischen Kapitänshäuser in Övelgönne. Vor 40 Jahren hat er das Elbufer gewechselt und lebt seither in Moorende im alten Land.
Privat ist er passionierter Wassersportler und Naturkundler. Spaßeshalber hat er mal ein wenig Elbschlick vom Grund geholt, getrocknet, glasiert und Fliesen daraus gebrannt. Es hat funktioniert - und damit sind wir bei Konrad Schitteks Beruf: Ursprünglich wollte er in die Fußstapfen der Eltern treten und Maler werden. Nach dem Studium dann die bittere Erkenntnis, dass man damit keine Familie ernähren kann. Freunde freuen sich zwar über selbst gemalte Grußkarten, aber das trägt auch nichts zum Lebensunterhalt bei. Bis er eines Tages die Anfrage bekam, ob er nicht für eine alte Wohnküche in Eppendorf ein paar brüchige Fliesen ersetzen könnte, neu gebrannt und mit den alten Motiven bemalt. Das war anfangs nicht ganz einfach - aber die Geburtsstunde des Fliesenhandel Schittek in Hamburg Sinstorf.

* Fliesen-Experte durch und durch
Bis heute ist die Firma auf die Wiederherstellung alter Fliesen spezialisiert, egal ob für einen einzelnen Kachelofen, Bad, Küche oder ein ganzes Friesenhaus. Die großen Aufträge kommen von der Stadt, wenn z.B. Schulgebäude oder Behörden saniert werden, die unter Denkmalschutz stehen. Auch Krankenhäuser brauchen hin und wieder große Mengen neuer "alter" Fliesen. Schon dreimal musste er umziehen und auch sein jetziger Firmensitz ist eigentlich schon wieder zu klein. Da es bundesweit keine vergleichbare Firma gibt, gehen täglich mehr als 100 Pakete voller "alter" Fliesen auf die Reise - ob in ein Friesenhaus auf Sylt oder eine Bauernstube auf der Alm.
Fliesenhersteller machen Kundenevents bei Schittek und ständig stehen Gruppen auf der Matte, die eine Führung durchs Museum wollen. Konrad Schittek ist verheiratet und hat drei Kinder. Bei jedem neuen Auftrag ist es Sisyphosarbeit, Farben und Glasuren exakt nach Vorbild zu treffen - vor dem Brand bei 1.000 Grad sieht eine Fliese grundsätzlich ganz anders aus als hinterher. Jedes Motiv muss exakt von Hand gemalt werden - Korrekturen wie bei einem Bild sind unmöglich. Seine Mitarbeiterinnen sind so perfekt, dass sie ebenso gut Meissner Porzellan bemalen könnten. An seinem Firmensitz unterhält Konrad Schittek auch ein Fliesenmuseum. Dort begibt man sich u. a. auf Zeitreise durch die Bäderkultur vom 19. Jht. bis heute. Amüsiert betrachtet man emaillierte Kloschüsseln, alte Zinkwannen und monströse Badeöfen. Je nach Generation findet sich viel Vertrautes - sei es das himmelbau gekachelte Bad aus den 1950ern- oder die Variante in grün-orange mit Prilblumen aus den 1970ern-Jahren.

Für sein Museum ist Schittek Jäger und Sammler. Wo immer in Hamburg ein Altbau den Besitzer wechselt und saniert werden soll, ist er zur Stelle und versucht, ganze Bäder und Küchen vor dem Bauschuttcontainer zu retten. Hinweise dazu bekommt er von seinen zahlreichen Kunden. Als Dankeschön lädt er sie gern zu Events in seine Firmenräume ein. Da darf sich dann jeder selbst am bemalen, glasieren und brennen von Fliesen versuchen.

* Ein Generationswechsel steht an
Sein Wunsch für die Zukunft: Echte Hamburger Fliesen und Ziegel, gebrannt aus dem Hafenschlick, der jedes Jahr tonnenweise aus der Elbe gebaggert wird. (Entsprechende Ziegeleien gab es bis vor 25 Jahren.). 2018 wird ein besonderes Jahr für die Familie Schittek. Ein Generationenwechsel steht an. Konrads Söhne Jan, 35 Jahre und Felix, 36 Jahre sollen das Geschäft übernehmen. Sie sind mit dem Unternehmen groß geworden und kennen sich auch ganz gut mit den 50.000 verschiedenen historischen Fliesen aus, die sie auf Lager haben. Aber wenn es darum geht, alte Fliesen, die nicht mehr lieferbar sind, nach zu brennen, brauchen sie ihren Vater. Bis Juli diesen Jahres will Konrad all sein Wissen um Grundmassen, Farben, Glasuren, Muster und Brenngeheimnisse weiter geben.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 31.05.2018 um 18:15 Uhr auf Radio Bremen TV.

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