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Barock im Südwesten

Sonntag, 06.05.2018 20:15 Uhr
SR
Sonntag
06.05.2018
20:15 Uhr
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Bildquelle: Pressebild (ard2017)
Bildquelle: Pressebild (ard2017)

Prächtig, prunksüchtig und sinnesfreudig - so erscheint uns heute das Barock mit seinen opulenten Schlössern, Gärten und Kirchen. Aber wie war das Leben im 18. Jahrhundert wirklich?

In ehemaligen Residenzen wie Rastatt, Karlsruhe oder Mannheim, in Städten wie Speyer, in Regionen wie Oberschwaben - im ganzen Südwesten Deutschlands sind bis heute Zeugnisse aus der Zeit des Absolutismus in einer unglaublichen Dichte und Opulenz zu bestaunen. Seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert führt die Konzentration von Macht und Geld bei den Herrschern dazu, dass vielerorts prächtige Schlösser, Kirchen und ganze Städte im neuen barocken Stil entstehen.

Viele Menschen im 18. Jahrhundert empfinden die Epoche als eine Zeit des Neubeginns. Nach den Verheerungen des Dreißigjährigen Kriegs (1618 bis 1648) und des Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688 bis 1697) sind ganze Landstriche entvölkert und viele Orte zerstört. An der Wende zum 18. Jahrhundert setzt der Wiederaufbau ein. Der Südwesten gleicht damals politisch einem Flickenteppich und teilt sich in mehr als 250 geistliche und weltliche Territorien auf. Die Herrscher wollen sich voneinander abgrenzen und versuchen, sich gegenseitig zu übertrumpfen und noch prächtiger, noch verschwenderischer zu bauen. Ihr Vorbild ist der französische König Ludwig XIV., der "Sonnenkönig", der in Versailles ein gewaltiges Schloss anlegen lässt. Vielerorts entstehen - größtenteils bezahlt durch die Steuern und Abgaben der Untertanen - ähnlich prunkvolle Residenzen und Schlösser, die das Bild unserer Region bis heute prägen. An den Höfen entfaltet sich ein glanzvolles gesellschaftliches Leben mit Opern, Konzerten, Maskenbällen und Festen.

In den einzelnen Herrschaftsgebieten regieren die Fürsten - Markgrafen, Herzöge und geistliche Herrscher - mit nahezu uneingeschränkter Macht. Um ihre Macht zu sichern und ihre Herrschaft zu konsolidieren, bauen insbesondere die Fürsten in den größeren Territorien wie der Kurpfalz oder Baden-Durlach eine moderne Verwaltung auf und etablieren das Berufsbeamtentum. Vielfach fördern die Herrscher Bildung und Wissenschaft ebenso wie Kultur und Wirtschaft. Der pfälzische Kurfürst Karl Theodor zum Beispiel sorgt dafür, dass Frankenthal zur Manufakturstadt ausgebaut wird. Gegründet werden Seiden-, Spitzen- und Brokatmanufakturen sowie eine Glockengießerei. Insgesamt entstehen 50 dieser Fabrikvorläufer. Die Manufakturen sollen Luxusgüter für den Hof herstellen und dabei Einnahmen für die Staatskasse bringen.

Auch die katholische Kirche zeigt, wozu sie wirtschaftlich und künstlerisch in der Lage ist. Die barocke Pracht der neuerbauten Kirchen soll die Gläubigen beeindrucken und im Schoß der katholischen Kirche halten - oder sie dorthin zurückführen. Ganz bewusst wird der Schlichtheit protestantischer Gotteshäuser üppige Herrlichkeit entgegengesetzt. Die Sinne der Gläubigen sollen förmlich überwältigt werden.

Obwohl schon im 17. Jahrhundert bekannt, beginnt in der Zeit des Barock der Siegeszug der Genussmittel Kaffee und Tabak. Zunächst bleiben die noch sehr teuren Produkte der höfischen Gesellschaft vorbehalten, doch nach und nach finden sie mehr Konsumenten . Da die Produkte mit hohen Steuern belegt sind, verdienen die Herrscher kräftig an der wachsenden Beliebtheit des Kaffeetrinkens und Rauchens mit.

Für die Pfalz erweist sich die Beliebtheit als Segen, denn hier wird immer mehr Tabak angebaut. Und er gedeiht prächtig, denn die Boden- und Klimaverhältnisse der Region passen gut zu den Bedürfnissen der Tabakpflanze. Der teure Kaffee hingegen muss importiert werden. Wer sich echten Bohnenkaffee nicht leisten kann, versucht sich an Ersatzstoffen: Lupinensamen, Eichel, Dinkel, Wurzel-Zichorie oder gar getrocknete Löwenzahnwurzeln. Aber kein Ersatzstoff bietet die hoch geschätzte belebende Wirkung und das gleiche Geschmackserlebnis.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 06.05.2018 um 20:15 Uhr auf SR.

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