

Der israelische Choreograph Ohad Naharin hat die Batsheva Dance Company in Tel Aviv zu einer der ersten Adressen des zeitgenössischen Tanzes gemacht. Ein Autodidakt mit der angeborenen Leidenschaft für Bewegung und dem unbedingten Willen, sich auch ohne klassische Tanzausbildung durchzusetzen. Diese Unbedingtheit und bedingungsloses emotionales Engagement fordert Naharin aber auch von seinen Tänzern.
Als der Choreograph 1990 die Leitung der Batsheva Dance Company übernimmt, setzt er eine kleine Revolution in Gang: Zeitgenössischer Tanz wird in Israel zum wichtigsten Innovator des kulturellen Lebens, und die Batshevas werden zum führenden Kulturexport des Landes. Naharin lässt auf der Bühne die Verletzlichkeit, die Sexualität und die Persönlichkeit seiner Tänzer radikal ausstellen - die Individualität der Tänzer steht im Mittelpunkt des Geschehens. Dokumentation Israel 2014
"Mr. Gaga" ist ein Film über Hingabe und Leidenschaft und über faszinierende Geschichten, die mit dem Körper erzählt werden. Tomer Heymann hat Naharin über viele Jahre begleitet und einen preisgekrönten Film aus Hunderten Stunden Material geschaffen. Auf internationalen Festivals hat "Mr. Gaga" bereits mehrere Preise gewonnen.
* Schwerpunkt: Lasst uns tanzen!
Im April steht das ARTE-Programm ganz im Zeichen des Tanzes, mit zahlreichen Stücken unter der Leitung eminenter Choreographen, von Maurice Béjart bis John Neumeier, von Angelin Preljocaj bis Ohad Naharin. Außerdem entdeckt die luxemburgische Tänzerin und Choreographin Sylvia Camarda in der Dokumentationsreihe "Move!" zahlreiche Facetten und Themen des zeitgenössischen Tanzes.
Maurice Béjart, mit bürgerlichem Namen Maurice-Jean Berger, befreite das klassische Ballett von Tutu und klassizistischem Beiwerk. Seine Umsetzungen von Pierre Henrys konkreter Musik oder von so populären Stücken wie dem "Boléro" von Ravel oder Strawinskys "Sacre du printemps" brachten ein breites Publikum zum Ballett. Die jungen Wilden der 68er waren begeistert und strömten in seine Aufführungen in Brüssel und später in Lausanne. ARTE widmet dem Tanzrevolutionär ein filmisches Porträt und zeigt seine getanzte Fassung von Beethovens 9. Symphonie.
Hamburgs langjähriger Ballettdirektor John Neumeier erzählt in "Nijinsky" die tragische Geschichte des legendären Tänzers der Ballets Russes, jener Truppe, die Anfang des 20. Jahrhunderts die Pariser Ballett-Szene aufmischte. Waslaw Nijinsky wurde von Sergej Djagilew, dem Gründer und Leiter der Ballets Russes, entdeckt und zum Star gemacht. Doch seine Geschichte endet tragisch, er erlitt 1919 einen Nervenzusammenbruch und verbrachte den Rest seines Lebens in psychiatrischen Anstalten.
Angelin Preljocaj hat sich für sein Stück "La Fresque - Das Fresko" von einem Märchen aus dem alten China inspirieren lassen. Es geht um ein Wandgemälde, das eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf einen Besucher ausübt: Er verliebt sich unsterblich in eine der darauf dargestellten Frauen. Die Geschichte steht für die Beziehung zwischen der Realität und ihrer Repräsentation in der Kunst, doch auch Platons Höhlengleichnis klingt in ihr an.
Und zu guter Letzt zeigt ARTE ein Stück des gefeierten israelischen Choreographen Ohad Naharin. Mit seinen Tänzern der Truppe Batsheva Dance Company lotet er in "Last Work" den eigenen Körper und dessen Bewegungsmuster aus, jenseits der Grammatik des klassischen Tanzes.
Dazu gibt es "Move!", eine Dokumentationsreihe über den Tanz, diese universelle Sprache, die dem Menschen innewohnt. Das tänzerische Multitalent Sylvia Camarda entdeckt für ARTE die Aktualität und die Relevanz der Tanz- und Bewegungssprache, findet die Kunst im Alltag und das Alltägliche im Tanz.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Montag, den 30.04.2018 um 00:00 Uhr auf arte.