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Deutschland '68

(K)ein Jahr wie jedes andere!
Sonntag, 15.04.2018 22:50 Uhr
SWR
Sonntag
15.04.2018
22:50 Uhr
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Bildquelle: Pressebild (ard2017)
Bildquelle: Pressebild (ard2017)

23 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs befindet sich Westdeutschland mitten im Wirtschaftswunder. Die Konjunktur brummt und der Wohlstand wächst. Doch das wiederaufgebaute Nachkriegsdeutschland sieht sich vor neue Herausforderungen gestellt. Studentenproteste und außerparlamentarische Opposition bestimmen die Nachrichten. Neben den bekannten und symbolträchtigen Bildern aus dem Jahr gibt es auch eine andere Wirklichkeit. Die Welt des konservativen Lebens in Deutschland: Die Frau am Herd, der Mann beim Frühschoppen und in den Charts stürmte Kinderstar Heintje an den Beatles und den Rolling Stones vorbei.

* Rebellion der Jugend
Barbara Köster nimmt als Studentin in Frankfurt an vielen Demonstrationen teil und ist Mitglied im Sozialistischen Deutschen Studentenbund. Sie erinnert sich: "Wir waren gegen Autorität jeglicher Art, in der Familie, im Gericht, im Hörsaal, zwischen den Geschlechtern." Auch Peter Wietzke ist damals bei fast jeder Demo und Straßenschlacht dabei. Allerdings auf der anderen Seite. Als junger Polizist hält er seinen Kopf hin und hat trotzdem Sympathie für die Rebellen: "Die Musik und sich gegen Autoritäten bemerkbar machen, das entsprach auch so meinem Gefühl." Für die Aggressivität vieler Demonstranten hat er kein Verständnis.

* Aufbegehren und Staatsmacht in der DDR
Im Osten Deutschlands baut die SED ihre Macht aus. Dabei träumt ein Großteil der DDR-Bevölkerung von politischer Freiheit nach dem Vorbild des "Prager Frühlings". "Wir kannten viele Menschen, die über die DDR meckerten. Aber keiner machte was. Wir wollten was tun", erinnert sich Andreas Pilz. Mit seinem Bruder und zwei Freunden malen sie 1968 in ihrem Heimatort nahe der Tschechischen Grenze Protestplakate gegen die Sprengung der Universitätskirche in Leipzig. Die vier Schüler werden geschnappt und von der Stasi verhört. Zwei fliegen von der Schule.

* Lange Haare, kurze Röcke - und mehr?
In Westdeutschland erreichen die Proteste mit den Osterunruhen ihren Höhepunkt. Es gibt hunderte Verletzte und sogar zwei Tote. Studentenführer Rudi Dutschke wird auf offener Straße niedergeschossen. Darauf folgen deutschlandweite Proteste. Studenten und Arbeiter schließen sich 1968 nur selten erfolgreich zusammen. Der Umbruch 1968 läuft ungeplant, emotional und oft widersprüchlich. Aber die Bewegung hat eine grundsätzliche Richtung, ist Evelyn Frisinger überzeugt: "Wir waren alle links und wir waren auch engagiert." Sie hat damals in Bremen eine Mode-Boutique und verkauft lieber kurze Röcke und durchsichtige Blusen als auf Demos zu gehen. "Alles war möglich! Es war eine Revolution der Jugend!" Heinz Rittermeier, der 1968 noch in der Lehre war, widerspricht: "Eine Revolution war es nicht. Es hat die Gesellschaft nicht auf einen Schlag verändert, aber es hat Reformen angestoßen." Ein Film von Caroline Pellmann und János Kereszti

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 15.04.2018 um 22:50 Uhr auf SWR.