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Nach dem Anschlag

Terroropfer auf ihrem Weg zurück ins Leben
Mittwoch, 25.04.2018 18:00 Uhr
PHOENIX
Mittwoch
25.04.2018
18:00 Uhr
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Bildquelle: Pressebild (ard2017)
Bildquelle: Pressebild (ard2017)

"Schüsse knallten, es gab einen eigentümlichen Gestank wie von Feuerwerk, und erst dachten wir, das wäre Teil der Show", sagt Julia. Dann rannten sie los, mitgerissen von anderen, liefen in einen Flur und fanden sich schließlich im Backstage-Raum der Band wieder. Sie kauerten in Todesangst im Halbdunkel, als die Terroristen versuchten, in den Raum einzudringen. "Wir haben wirklich gedacht, wir sterben jetzt. Hoffentlich geht es schnell und tut nicht weh", sagt der 37-jährige Thomas. Drei lange Stunden verharrten sie in dem winzigen Raum, gemeinsam mit etwa 30 anderen Schutzsuchenden. Als sie endlich befreit wurden, mussten sie über die Leichen der Opfer steigen. Ein einziger Albtraum.
Es sei ein langer Weg gewesen zurück in den Alltag. Thomas, der als Logistiker arbeitet, war in den ersten Wochen krankgeschrieben und hatte Zeit zu grübeln. Viel zu viel Zeit, sagt er zwei Jahre später. Julia, die in einer Werbeagentur arbeitet, musste kürzertreten. Ihre Art der Aufarbeitung bestand darin, alles über die Anschläge und die Attentäter im Netz zu recherchieren, jede Information aufzusaugen. Im November 2017 sind sie an den Ort des Terrors zurückgekehrt. "Für uns ist das ein wichtiger Schritt, um das, was wir erlebt haben, besser zu verarbeiten", sagt Julia.
"Es war eine Reise in die Hölle - und wieder zurück", so beschreibt Marc Schreiner den 22. März 2016. Den Tag, als er in Brüssel Zeuge der Selbstmordattentate am Brüsseler Flughafen Zaventem und wenig später in der Metro-Station Maalbeek in der Innenstadt wurde, bei denen 35 Menschen ums Leben kamen und mehr als 300 verletzt wurden. "Ich habe das Ganze damals wie in Trance erlebt, und dass ich noch lebe, grenzt an ein Wunder."
Wie so oft war der Rechtsanwalt an diesem Morgen mit der Frühmaschine aus Berlin gegen 8 Uhr gelandet. Doch beim Betreten des Flughafengebäudes gerät er in ein höllisches Inferno mit schreienden Menschen, am Boden liegenden zerfetzten Körpern und beißenden Rauchschwaden. Nur wenige Minuten zuvor hatten sich zwei Terroristen der Organisation "Islamischer Staat" in der Ankunftshalle mit Nagelbomben in die Luft gesprengt. Elf Menschen sterben bei dem Anschlag.
Schreiner hat Glück. Mit einem Taxi fährt er in die Innenstadt. Doch als er aussteigt, geht eine weitere Bombe gleich neben ihm in der Metro-Station Maalbeek in die Luft, reißt neben dem Selbstmordattentäter 21 Menschen in den Tod. Der Boden bebt, Schreiner spürt die Druckwelle der Detonation. Aus dem U-Bahn-Schacht torkeln ihm Menschen entgegen, blutüberströmt. "Ich habe die Schreie aus der Station gehört und mir gesagt, du musst jetzt helfen." Während er in den dunklen Schacht hinuntergeht, klingelt sein Telefon, sein Bruder Dominik ist dran. Sie sprechen kurz, Schreiner schaltet das Licht seines Handys ein, ohne die Verbindung zu beenden. Sein Bruder bekommt in den nächsten Minuten alles mit: die Schreie der Schwerverletzten, die Marc zu versorgen versucht, seine Angst, seine Hilferufe. Ein Film über Menschen, die Terroranschläge überlebt haben, Todesangst aushalten mussten und trotz alledem ihren Weg in den Alltag zurückgefunden haben.


Film von Sybille Bassler

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 25.04.2018 um 18:00 Uhr auf PHOENIX.

Details
Audio-Format
stereo
Bild-Format
16:9
Farbe
farbe
Audio-Beschr.
nein
Hoerhilfe
nein
HDTV
nein
Logo-Event
nein
VPS
1524672000
Schlagwoerter
Dokumentation/Reportage
Alternative Ausstrahlungstermine
25.04.2018 18:00PHOENIX10.04.2018 22:15ZDF