Sie sind die einzigen weißbeinigen Schwarzköpfe im Schafreich. Widerstandsfähig, fruchtbar, wohlschmeckend, wenn auch schlichtwollig, wie der Fachmann sagt. Und nur noch in den Mittelgebirgslagen der hessischen, bayerischen und thüringischen Rhön vorhanden. Rhönschafe. Die älteste deutsche Nutztierrasse, 1844 in den Akten des Fuldaer Hochstifts erstmals erwähnt. Als einzige gefährdete Haustierrasse haben sie in ihrem Ursprungsgebiet allen Zeichen der Zeit zum Trotz überlebt - in Ost und West. Ende des 19. Jahrhunderts gab es noch Hunderttausende nahezu in allen Gegenden des Deutschen Reiches. Sie wurden nach Frankreich und - man höre und staune - England exportiert.
1960 - ein ganz anderes Bild. Im Westen Deutschlands - noch 300 Herdbuchtiere. Das Wirtschaftswunder hatte sie zugunsten leistungsfähigerer Rassen verdrängt. Im Osten wurde die Zuchtarbeit für Rhönschafe 1969 aus ähnlichen Gründen eingestellt. Halter und Züchter wurden unter Strafandrohung veranlaßt, ihre Tiere abzuschaffen. 1975 - noch 100 Exemplare. Anfang der 80er Jahre erkannte die DDR die genetische Bedeutung alter bodenständiger Rassen für die Tierzucht. Wer illegal Rhönschafe weitergezüchtet hatte, sollte sie nun zwangsweise in die "staatliche Genreserve" überführen.
2005 - wieder 2.500 Herdbuchtiere und insgesamt 10.000 Exemplare, eine länderübergreifende Initiative, von Bauern, Vermarktern, Landschaftspflegern und Tourismusexperten ins Leben gerufen. Sie haben zukunftsträchtige Ideen für die weißbeinigen Schwarzköpfe. Die es zum Glück noch gibt. Eine Ost-West-Geschichte über Fall und Aufstieg der ältesten deutschen Haustierrasse.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 01.04.2018 um 08:00 Uhr auf MDR.