Vor gut zehn Jahren gab es bei der BBC eine Umfrage, bei der die Radio-Hörer das traurigste Musikstück wählen konnten. "Gewinner" war Samuel Barbers Adagio - mit weitem Abstand gefolgt vom Lamento der Dido aus Henry Purcells Oper "Dido und Aeneas" und dem "Adagietto" aus Gustav Mahlers 5. Sinfonie.
Das Adagio zählt zu den prominenten Beerdigungs-Musiken. Es wurde unter anderem bei den Trauerfeiern der amerikanischen Präsidenten Roosevelt und Kennedy gespielt, außerdem zur Beisetzung von Grace Kelly, Rainier III. von Monaco und Albert Einstein. Viele Radiosender setzten es ein, um der Opfer der Anschläge vom 11. September 2001 zu gedenken. Wegen seiner starken emotionalen Wirkung ist Barbers Adagio auch beim Film außerordentlich beliebt.
* Ursprünglich ein Streichquartett-Satz
Ursprünglich hat Barber das Adagio als langsamen Satz für sein erstes Streichquartett op. 11 geschrieben: 1936, während eines Stipendien-Aufenthalts in Rom. Unter Beibehaltung der Opuszahl 11 hat er es wenig später für Streichorchester arrangiert. Arturo Toscanini dirigierte 1938 das NBC Symphony Orchestra bei der Uraufführung in New York. Vierzig Jahre nach der Komposition bearbeitete Barber das Adagio für achtstimmigen Chor und unterlegte die Musik mit dem Text des "Agnus Dei" ("Lamm Gottes") der lateinischen Messe. Das Adagio ist Barbers bekanntestes Stück und - zu seinem Leidwesen - das einzige seiner Werke, das wirklich populär wurde.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 14.03.2018 um 00:30 Uhr auf BR.