

Simeon von Sachsen-Coburg und Gotha wird als zweites Kind der Zarin Giovanna von Savoyen und des Zaren Boris III. am 16. Juni 1937 in Sofia geboren. Nach dem mysteriösen Tod seines Vaters wird Simeon, der ein Cousin der britischen Windsors und Nachfahre von William dem Eroberer ist, im Alter von gerade einmal sechs Jahren zum Zar gekrönt. Nur drei Jahre später muss der junge Monarch, der während der nationalsozialistischen Besatzung Bulgariens mit seiner Mutter ins syrische Exil geflohen, aber nach dem Krieg zurückgekehrt war, nach der Machtübernahme der Kommunisten abermals ins Exil. In Ägypten lebt er zunächst bei seinem Großvater, Viktor Emanuel III., der als ehemaliger König Italiens ebenfalls seine Heimat verlassen musste, später dann im franquistischen Spanien, Portugal und den USA und arbeitet als Geschäftsmann. 1996, nach einem halben Jahrhundert kehrt Simeon II. in seine Heimat zurück, gründet die Partei "Nationale Bewegung Simeon II." und kandidiert für das Amt des Ministerpräsidenten. Nach seinem Wahlerfolg leitet er von 2001 bis 2005 in dieser Funktion die Geschicke des kleinen Landes - doch seine eigentliche politische Karriere ist nur von wenig Erfolg gekrönt. Über 40 Jahre hatten die Menschen im kommunistischen Bulgarien eine romantische Erinnerung an ihren König gepflegt und ihn zum Mythos und zur Projektionsfläche ihrer Träume und Hoffnungen stilisiert - ein Bild, das der Heimkehrer nur schwer erfüllen konnte. "Der Junge, der König war" erzählt die Geschichte eines Mannes, dessen Leben vom Lauf der Geschichte dominiert wurde und der doch immer versucht hat, sein Schicksal selbst zu bestimmen. Die Geschichte des Jungen, der einst König war, und dem es gelang, ein halbes Jahrhundert später zum demokratisch gewählten Staatsoberhaupt Bulgariens zu werden, ist auch eine Geschichte der Transformation Europas im 20. Jahrhundert, von Monarchie über Diktatur zur Demokratie. Der bulgarische Regisseur und Drehbuchautor Andrey Paounov ("Georgi and the Butterflies", "Das Moskitoproblem und andere Geschichten") bietet in seinem als BR-Koproduktion entstandenen Dokumentarfilm einen faszinierenden Einblick in die bulgarische Geschichte und das Leben des ehemaligen Monarchen und Politikers - von Simeons Kindheit über das Exil und seine späte Karriere als Politiker. Der Film nutzt dazu historische und neue Interviews, Wochenschaumaterial und seltene Archivaufnahmen. "Der Junge, der König war" wurde u.a. 2012 auf dem "RiverRun International Film Festival" in den USA mit dem Jurypreis für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet und ist an diesem Abend als deutsche Erstausstrahlung zu sehen.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Freitag, den 02.03.2018 um 20:15 Uhr auf ARD alpha.