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Arm und krank - Das unfaire Gesundheitssystem

Film von Klaus Balzer - Aus der Reihe "45 Min"
Samstag, 10.02.2018 09:15 Uhr
tagesschau24
Samstag
10.02.2018
09:15 Uhr
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Bildquelle: Pressebild (ard2017)
Bildquelle: Pressebild (ard2017)

Gabriele H. (49) ist arm. Als alleinerziehende Mutter eines 13jährigen Jungen muss sie mit gerade einmal 300 Euro im Monat auskommen. Das sind zehn Euro pro Tag. Da bleibt nichts übrig, nicht einmal für die Zuzahlungen für Medikamente und Anwendungen, die sie bitter nötig hat. So kann es sein, dass Gabriele H. zwar von ihrer Hausärztin ein Rezept über eine achtmalige Rückentherapie verschrieben bekommt, sie aber das Rezept nicht einlösen kann, weil sie die 20 Euro Zuzahlung nicht aufbringen kann.

Gabriele H. lebt in Hamburg-Horn. Dort liegt, ebenso wie im Nachbarstadtteil Billstedt, das Durchschnittseinkommen mehr als 40 Prozent unter dem Hamburger Niveau. Und auch die Lebenserwartung der Menschen dort liegt zehn Jahre darunter. Die Gründe hierfür sind vielschichtig. Ein Grund aber sticht besonders hervor: In beiden Stadtteilen finden sich bis zu 94 Prozent weniger Ärzte als in den anderen Stadtteilen Hamburgs.

"Hier will keiner hin. Hier gibt es keine Privatpatienten. Und IGeL-Leistungen kann kein Mensch bezahlen", sagt Chirurg Gerd Fass. Er ist Vorsitzender des Ärztenetzwerks Billstedt/Horn, das die ärztliche Versorgung hier nachhaltig verbessern will. Das ist nicht einfach. Denn Ärzte in Billstedt und Horn müssen doppelt so viele Patienten behandeln wie im Rest Hamburgs, verdienen aber im Schnitt 30 Prozent weniger.

Übervolle Wartezimmer bei Ärzten kennt auch Füsun A (36). Sie ist Mutter von vier Kindern und lebt mit ihrem chronisch kranken Mann zu sechst in einer winzigen Dreizimmerwohnung. Wie Frau H. leidet auch Füsun A. unter den typischen "Armutserkrankungen": Übergewicht und damit verbundene Rücken- und Gelenkprobleme, Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauferkrankungen. Familie A. muss mit 600 Euro im Monat auskommen. Da ist eine gesunde Ernährung schon rein finanziell kaum drin.

Es ist ein kleiner Hoffnungsschimmer, dass jetzt ein "Gesundheitskiosk" seine Arbeit aufgenommen hat. Ein bundesweit einmaliges Modellprojekt: Medizinisch geschultes Fachpersonal soll Ärzte entlasten und gezielte Gesundheitsprogramme für die Bewohner der Stadtteile entwickeln. Schon kurz nach der Eröffnung im September 2017 wurde die Einrichtung von Interessenten förmlich überrannt. Auch Gabriele H. und Füsun A. haben sich angemeldet. "45 Min" hat Patienten über mehrere Monate begleitet. Ärzte geben einen tiefen Einblick in ihren aufreibenden Praxisalltag. Und ein Professor führt durch die von ihm ins Leben gerufene "Praxis ohne Grenzen". Dort werden Menschen ohne Krankenversicherung und Papiere kostenlos behandelt.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 10.02.2018 um 09:15 Uhr auf tagesschau24.

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Dokumentation/Reportage, Gesundheit/Medizin, Menschen im Alltag, Politik