

Der 30. Januar 1933 ist der Tag der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler. Keinen Monat später brennt der Reichstag. "Es gibt kein Erbarmen; wer sich uns in den Weg stellt wird niedergemacht. Das deutsche Volk wird für Milde kein Verständnis haben." Mit diesen Worten wird Hitler zitiert, wie er sich an eine Gruppe von Politikern und Polizisten wendet, die sich am brennenden Reichstag versammelt haben. Er soll geschrien haben, vor Erregung. Hitler nutzt den Reichstagsbrand als Gelegenheit, den Aufbau seines Macht- und Terrorapparates in beispielloser Weise zu forcieren.
Tags darauf wird die Notverordnungen "zum Schutz von Volk und Staat" erlassen. Damit werden verfassungsmäßige Grundrechte außer Kraft gesetzt. Der Beginn einer totalitären Herrschaft, die vor nichts zurückschreckt. Nacht über Deutschland.
Die Dokumentation zeigt den rasanten, erschreckenden und dennoch nicht unaufhaltsamen Weg Deutschlands in die Hitler-Diktatur. Sie erzählt die ersten hundert Tage von Hitlers Kanzlerschaft. Eine kurze Zeitspanne, die trotzdem Antworten gibt, auf die immer wiederkehrende Frage: "Wie war Hitler möglich?". Eine Geschichte der politischen Tricks und des brutalen Terrors, der haltlosen Versprechungen und wohlgesetzten Drohungen, des Widerstands und der raschen Ausschaltung aller demokratischen Kräfte. Es war nicht die "Vorsehung", wie Hitler selbst seine Ernennung zum Reichskanzler und die Wochen danach verbrämte, sondern ein "Blitzkrieg" gegen Demokratie und Menschenrechte mit dem erklärten Ziel die Alleinherrschaft an sich zu reißen. Mit allen verfügbaren Mitteln und in einem schwindelerregenden Tempo - mal in brauner Uniform, mal in Frack und Zylinder.
Bemerkenswert dabei ist, wie einfach sich die Institutionen, die die Weimarer Republik getragen hatten, überwältigen ließen. Und die Mehrheit der Deutschen? Sie wird immer mehr eingesponnen in die "Volksgemeinschaft" der Nazis, mit Hitlergruß und Hakenkreuz. Die Dokumentation führt vom 30. Januar 1933, der Errichtung der ersten Konzentrationslager und dem "Tag von Potsdam" (21. März) über den Boykott gegen jüdische Geschäfte (1. April), dem "Tag der Arbeit" (1. Mai) bis hin zu den Bücherverbrennungen am 10. Mai 1933, dem hundertsten Tag von Hitlers Kanzlerschaft. Die Chronik einer Machteroberung ohnegleichen.
Nach diesen 100 Tagen hat sich Deutschland radikal verändert. Es herrscht der "Ausnahmezustand": Die Länder sind gleichgeschaltet, Bedrohung, Entrechtung und Ausgrenzung werden zum Alltag für "Andersdenkende" und die jüdische Bevölkerung. Es gibt keine Gewerkschaften mehr, der "undeutsche Geist" wird verfolgt und verbrannt. Der Film von Jürgen Ast und Kerstin Mauersberger rekonstruiert die Ereignisse, ihre Geschichte, ihre Hintergründe und ihre Folgen. Historiker wie Michael Wildt, Norbert Frei und Hans-Ulrich Thamer kommen zu Wort. So entsteht ein kompaktes Gesamtbild dieser ersten 100 Tage von Hitlers Herrschaft. Film von Jürgen Ast und Kerstin Mauersberger
Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 30.01.2018 um 21:00 Uhr auf RBB.