Am 17.1.2018 wird Papst Franziskus nach Temuco in Chile reisen - in die Region Araukanien, die als Chiles Konfliktzone in die Schlagzeilen geraten ist. Araukanien ist das angestammte Gebiet der Mapuche, der Ureinwohner Chiles. Sie hatten sich vor ca. 500 Jahren erfolgreich gegen die spanischen Eroberer gewehrt. Doch nach der chilenischen Staatsgründung im 19. Jahrhundert wurden die Mapuche mit Gewalt zurückgedrängt. Seitdem leben die ca. eine Million Mapuche verarmt am Rande der Gesellschaft - auch weil sie während der Diktatur Pinochets marginalisiert wurden.
In den 90ern begann Chile mit einem Mapuche-Gesetz den Prozess der Rückgabe von Mapuche-Land. Doch die Besitzer - viele davon ehemalige europäische Auswanderer - wehrten sich gegen den Verlust ihrer Ackerflächen. Damit begann ein Konflikt, der bis heute andauert und immer brutaler wird.
2013 machte der Tod des Ehepaares Luchsinger/McKay Schlagzeilen. Das Haus der aus der Schweiz stammenden Chilenen brannte ab. Die Landwirte kamen dabei ums Leben. Für den Sohn der Opfer, Jorge Luchsinger, ist klar, dass Mapuche hinter der Tat stecken. Sie hätten die Luchsingers vertreiben wollen, um deren Land zu bewirtschaften.
Machi Francisca Linconao muss sich derzeit vor Gericht verantworten, weil sie Drahtzieherin des Anschlags auf die Familie Luchsinger-McKay sein soll. Doch die Beweislage ist dünn und die Machi beteuert ihre Unschuld. Im Jahr 2008 wurde Machi Francisca - eine Heilerin der Mapuche - zum Symbol des Widerstands. Als ein Landwirt einen benachbarten Hügel roden wollte, auf dem Heilkräuter wachsen, klagte die Machi und gewann. Es war das erste Mal, dass sich die Indigenen erfolgreich gegen die Großagrarier wehren konnten.
Denn der Kampf der Mapuche ist auch ein Kulturkampf um die Frage, wie der Boden genutzt werden sollte. Die Mapuche kritisieren den Einsatz von Pestiziden, Wachstumsbeschleunigern, Gensaatgut und die überall sichtbare Monokultur. So wie den Eukalyptus-Baum, der als schnell wachsender Rohstoff für die Papierproduktion gebraucht wird. Außerdem protestieren die Ureinwohner gegen Wasserkraftwerke, die Flüsse stauen. Das helfe zwar der chilenischen Wirtschaft, aber zerstöre das Land ihrer Vorfahren.
Das sieht auch Rubén Collio so. Der Mapuche kämpfte jahrelang gegen ein Wasserkraftwerk in seinem Andendorf. Die österreichische Firma RP Global hat dort an einem für die Mapuche heiligen Ort einen Fluss gestaut, ohne die Ureinwohner wie vorgeschrieben vorab einzubeziehen. Rubén protestierte mit Mitstreitern und wurde daraufhin massiv bedroht. Auf dem Höhepunkt dieses Konflikts fand er seine Frau Macarena erhängt in ihrem Haus vor. Für die Polizei war es Selbstmord, für Rubén war es Mord.
In diesem Konflikt will Papst Franziskus nun vermitteln. Er macht sich seit Jahren für die Rechte der Indigenen stark. In Temuco wird er sich mit Bewohnern Araukaniens zu einem Mittagessen treffen. Doch die Chance, dass er die Eskalation zurückfahren kann, ist gering. Film von Matthias Ebert
Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 17.01.2018 um 21:45 Uhr auf PHOENIX.