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Marshallplan für Afrika

Politik im Praxistest
Donnerstag, 25.01.2018 18:00 Uhr
PHOENIX
Donnerstag
25.01.2018
18:00 Uhr
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Die Bekämpfung von Fluchtursachen ist ein geflügeltes Wort. Es blüht im Ungefähren, seit Jahren schon. Doch was passiert konkret, in den betroffenen Ländern selbst? Wie entstehen die Jobs? Das Wirtschaftsmagazin makro war im Niger.
Entwicklungshilfe war gestern: Auf dem EU-Afrika-Gipfel, der in wenigen Tagen in Abidjan, dem Regierungssitz der westafrikanischen Elfenbeinküste, stattfindet, sollen die Weichen für eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit gestellt werden. Zukünftig, so der Plan, sollen Unternehmensinvestitionen für Jobs und Perspektiven sorgen. Mit ihrem "Marshallplan" für Afrika macht die deutsche Regierung ihren Paradigmenwechsel klar: private Investitionen statt staatlicher Almosen.
Auf der Liste jener Länder, die dabei besonders gefördert werden, steht mit Niger einer der ärmsten Staaten des Kontinents. Niger, heißt es, sei das Afrika von Afrika: bettelarm, rückständig, kinderreich. Es fehlt an allem. Das zentralafrikanische Land ist eine der großen Flüchtlingsdrehscheiben für Menschen aus der ganzen Region.
Nun sind die Forderungen, Fluchtursachen zu bekämpfen, Investitionen zu ermöglichen und wirtschaftliche Beziehungen zu knüpfen seit mindestens zwei Jahren ein ständiger Begleiter in der innenpolitischen Diskussion. Die Frage ist nur: Was ist seither passiert? Ganz konkret: Was lockt Unternehmen, auch deutsche, nach Afrika und welche Bedingungen finden sie dort vor? makro wollte es genau wissen und ist in den Niger gereist.

Was wir bald feststellen: Deutsche Mittelständler scheuen das Risiko. Anders als ihre chinesischen oder indischen Konkurrenten lieben sie geordnete Verhältnisse. Selbst in der Hauptstadt Niamey finden wir keine deutschen Firmen. Die Probleme, die Niger mit seiner Infrastruktur hat, sind einfach zu groß. Andererseits sind Deutsche hier hoch willkommen. Die Regierung bemüht sich um ein gutes Verhältnis zu Berlin.
"Wir sind vollkommen einverstanden mit dieser Neuausrichtung der deutschen Entwicklungspolitik", sagt Mohamed Bazoum, Nigers Innenminister. "Also gute Regierungsführung, wie Sie es nennen, und die Förderung von Privatinvestitionen." Es gebe keinen Grund, warum konkurrenzfähige deutsche Unternehmen sich nicht in Afrika ansiedeln könnten - wie andere nicht-europäische Unternehmen auch.

Niger gilt als Drehkreuz der Flüchlingsströme. In wenigen Tagen geht es weiter nach Libyen. Das Geschäft wird heute von internationalen Banden dominiert.
Niger gilt als Drehkreuz der Flüchlingsströme. In wenigen Tagen geht es weiter nach Libyen. Das Geschäft wird heute von internationalen Banden dominiert.
Nun, der ein oder andere Grund fällt uns schon auf. Besuch in Agadez - einstmals beliebtes Reiseziel, heute Migrations-Hotspot. Vielen Einwohnern bleibt die illegale Migration Richtung Europa einzige Geldquelle. Für Agadez ist dies ein wichtiger Wirtschaftsfaktor - Unterkunft, Essen, Transport, Banktransfers, Vermittlerdienste. Zugleich ist sie ein Fluch, denn seit die Regierung den Menschenschmuggel 2015 unter Strafe stellte, greifen die Behörden in Agadez durch.
400 nigrische Schlepper wollen aussteigen - nicht direkt freiwillig, wie wir erfahren: Ihnen fehlen die Kunden. Die Stadt hat Starthilfen für legale Jobs versprochen, doch die Mittel sind begrenzt. Auch der Stadt sind Einnahmen weggebrochen, seit die Schlepperei unter Strafe steht.
6000 Anträge auf Starthilfen sind bis dato eingegangen. Nur 150 kann Agadez finanzieren. Nun hofft man auf Europa. "Die EU hat Programme angekündigt im Rahmen ihrer Nothilfe-Fonds", erzählt uns Bürgermeister Feltou. "100 Mio. Euro für die Finanzierung von Mikroprojekten, um die Schlepper zu reintegrieren. Ich hoffe, das ist kein leeres Gerede." Entwicklungsgelder fließen durchaus. Deutschland liegt auf Platz 3 der bilateralen Geldgeber und hat die Hilfen gerade auf 115 Mio. bis 2019 verdoppelt. Doch die privatwirtschaftlichen Investitionen, die Entwicklungspartnerschaft jenseits staatlicher Notfallfonds?
Schließlich treffen wir doch noch einen deutschen Investor. Es ist der einzige in ganz Niger. Start-Up-Unternehmer Torsten Schreiber hat einen Solar-Container in das Dorf Amaloul verschifft, um die Anlage dort mit seiner Crew von Africa Greentec zu errichten. Die Mission ist keineswegs banal, denn bislang gibt es hier - wie in den meisten Dörfern des Landes - nur rußende Dieselmotoren. Ein großes Entwicklungshemmnis
"Energie ist an Orten, wo es keine gibt, oftmals der Anfang von ganz, ganz vielen Dingen", sagt Schreiber. "Man kann kleine Maschinen betreiben, man kann eine Pumpe betreiben, man kann Licht machen, Energie für Lüftung, für Kühlketten, um die landwirtschaftlichen Produkte weiterzuentwickeln. Dafür ist Strom einfach die Grundvoraussetzung."

Knapp 200.000 Euro hat die Anlage gekostet. Die Investition soll über zehn Jahre wieder reingeholt werden. Geldgeber sind Schreiber und seine Gesellschafter selbst. Avisierte Rendite: 6,5%. Eine steile Vorgabe. Dennoch glaubt Schreiber, dass er den Strom günstiger anbieten kann als die teuren Dieselgeneratoren - wenn die Zahlungsmoral stimmt, wenn die Hightech-Anlage im Nirgendwo nicht den Geist aufgibt und wenn die Fernwartung per Satellit klappt.
Viele "Wenns". Dies gilt auch insgesamt für die Zukunft dieses Land, das noch ganz am Anfang seiner wirtschaftlichen Entwicklung steht. Für einen Marshallplan ist Niger noch nicht reif, auch die Deutschen vielleicht nicht. Die große Politik hat bei der Wirtschaftsförderung noch einen ganz, ganz, weiten Weg vor sich. Die Jobs, soviel ist klar, fallen nicht vom Himmel.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 25.01.2018 um 18:00 Uhr auf PHOENIX.

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Dokumentation/Reportage, Politik, Menschen im Alltag, Wirtschaft
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