ESC zum Schließen · Enter zum Suchen

Meine Kindheit... in der Weihnachtszeit

Ein Film von Ulrike Brincker
Freitag, 15.12.2017 14:45 Uhr
WDR
Freitag
15.12.2017
14:45 Uhr
Teilen:
Bildquelle: Pressebild (ard2017)
Bildquelle: Pressebild (ard2017)

Im Hause Adenauer machten in der Vorweihnachtszeit die Engel mit etwas Lametta auf sich aufmerksam. Für die Kinder ein eindeutiger Hinweis auf himmlische Tätigkeit. "Schreibt mal auf, was Ihr euch vom Christkind wünscht", rieten die Eltern. Am zweiten Weihnachtstag kam die Großfamilie Adenauer dann alljährlich in Rhöndorf zusammen. Vor der Bescherung mussten die Kinder dann Gedichte und Lieder vortragen. "Schweiß und Tränen" hätten sie geschwitzt, "damit das fluppte", erinnert sich Sven Georg Adenauer, der Enkel von Konrad Adenauer, heute Landrat in Gütersloh. Im Publikum saßen immerhin der Bundeskanzler und siebzig bis achtzig Verwandte.

Agi Hartfeld wurde 1920 in Köln auf der "schäl Sick", der "falschen Seite rechts des Rheins", geboren. Sie war die Älteste von drei Kindern. Aus "Tutti", ihrer kleinen Schwester, wurde später die Schauspielerin Trude Herr. Die Familie wohnte in einem Arbeiterviertel, die Luft roch nach der benachbarten chemischen Fabrik. Auf den Tisch kamen in der Regel "Möhrchen" - auch an Weihnachten, wenn ihnen nicht der Pfarrer ein Stück Fleisch für die Festtage schenkte. Auch die Wünsche der Kinder waren bescheiden. Agi träumte von einer großen Schüssel Feldsalat - "ganz für sich allein", und Trude freute sich über Stoffreste jeder Art für ihre Theaterkostüme.

Schriftsteller und Kabarettist Frank Goosen war Einzelkind und hatte zwei "Ommas". Er bekam in der Regel das, was er sich wünschte, und oft noch einen Bagger oben drauf. Aber das Schönste an Weihnachten blieben doch immer "Ommas Rouladen". Schon nachmittags sah er in der Küche zu, wie "Omma" das Rindfleisch mit einer ordentlichen Portion Senf einstrich. Es wurde viel Wert auf Rituale gelegt: "Erst die "Rouladen", lacht Frank Goosen, " und dann erzählte der Opa, dass früher alles besser war".

Immer gleiche und vor allem immerwährende Weihnachten wünscht sich "Tante Milla" aus Heinrich Bölls Satire "Nicht nur zur Weihnachtszeit". Die Großfamilie Böll lebte nach dem Krieg in einem "besetzten" Haus in Bayenthal. Unter dem Dach schrieb Heinrich, im Garten tobten die neun Kinder. An Heiligabend wurde gebadet, erst am 25. Dezember gab es die Bescherung. Heinrich Bölls Neffe Clemens hatte besonders die Gänge in die nächtliche Christmette genossen. Nicht etwa, weil er besonders fromm gewesen wäre, sondern weil er schon mit dreizehn Jahren angefangen hatte zu rauchen. Auf dem Weg zur Kirche konnte er das von den Eltern unbemerkt tun. Und noch wichtiger: In der Kirche traf man Mädchen.

Nilgün Özel kam 1966 als Sechsjährige mit ihren Eltern aus der Türkei nach Deutschland. Ein doppelter Kulturschock, war sie doch in einer Großstadt aufgewachsen und landete nun in einem kleinen Dorf im Hochsauerland. Und christliche Traditionen kannte sie nicht. Ab 1967 ging sie in eine katholische Grundschule. "Es interessierte den Lehrer nicht, wer Muslim war". Und so sang auch Nilgün "Oh du fröhliche" und "Ihr Kinderlein kommet". Vor einigen Jahren feierte Nilgün Özel mit Freunden das erste Mal deutsche Weihnachten. "Herrlich" fand sie den Abend, zumal sie ja auch problemlos alle Lieder mitsingen konnte.

Die Sendung wird ausgestrahlt am Freitag, den 15.12.2017 um 14:45 Uhr auf WDR.

Livestream
Details
Audio-Format
stereo
Bild-Format
16:9
Farbe
farbe
Audio-Beschr.
nein
Hoerhilfe
ja
HDTV
nein
Logo-Event
nein
VPS
1513345500
Schlagwoerter
Dokumentation/Reportage, Porträt/Biografie, Weihnachten, Stars/Promis
Alternative Ausstrahlungstermine
15.12.2017 14:45WDR