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Meine Kindheit... in der Großstadt

Ein Film von Luzia Schmid
Montag, 11.12.2017 14:45 Uhr
WDR
Montag
11.12.2017
14:45 Uhr
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Eine Großstadt sei kein Ort für Kinder, heißt es bis heute. Es mangele an Spielmöglichkeiten, der Bezug zur Natur fehle, und, und, und ... Doch die Stadtkinder sahen das meist anders. Dank ihrer Phantasie schafften sie sich ganz eigene Spielräume und Abenteuerwelten. Abluftschächte wurden zu Flugschneisen für Papierschnipsel, oder der Brunnen auf dem Opernhausplatz in Köln diente als Planschbecken. Und bei Regenwetter wurden die Detektivspiele kurzerhand ins Kaufhaus verlegt.
Claus Theo Gärtner fand in Oberhausen schon früh zu seinem späteren Beruf. In einem Kino bestritten Kinder mit kleinen Aufführungen regelmäßig das Vorprogramm. Claus Theo spielte dabei ein Zebra, der erste Auftritt des heute bekannten Schauspielers. Er erinnert sich gut an die Zeit: Nach einem "Tarzan"-Film suchte er im Kino den Dschungel, in dem sein Held lebte. "Ich bin immer um das Kino geschlichen und habe versucht, den Eingang zu diesem Dschungel zu finden, wo Tarzan sich aufhält. Aber ich fand immer nur eine verschlossene Tür. Keinen Dschungel und keinen Tarzan", schmunzelt Claus Theo Gärtner.
Kabarettist Uwe Lyko alias Herbert Knebel plagte der Sonntagsanzug, denn der blieb nie lange sauber. Die Lösung fand er dank der Fernsehwerbung: einen chemischen Fleckentferner, der ihm zukünftig den Ärger mit der Mutter ersparte. Dauerhaft blieb jedoch der Streit mit Hausmeister Seibel, der den Kindern strickt das Fußballspielen auf dem Rasen der Siedlung verbot. Doch sie taten es immer wieder.
Unbewohnte Häuser erforschte der Kölner Rechtsanwalt Louis Peters in seiner Kindheit im zerbombten Köln: "Das waren belebte Häuser ohne Menschen. Das Leben in den Räumen fehlte, aber die Räume waren alle noch da und warteten darauf, dass sie von uns Kindern wieder in Besitz genommen wurden." Zu den wenigen Geschäften, die es damals im Kölner Stadtteil Braunsfeld noch gab, zählte der Friseur Vatterodt: "Für mich war das ein sehr beliebter Termin. Da saß ich nämlich unter gestandenen Männern. Ich fand deren Gespräche sehr interessant. Wenn sie sich unterhielten, wurde mir eine neue Welt erschlossen. Da kriegte man große Ohren."
Große Augen bekam Ingrid Reifschläger jedes Mal, wenn sie im Duisburger Rotlichtviertel unterwegs war. Ihre strengen Eltern führten im Herzen der Innenstadt einen Lebensmittelladen und versorgten auch die umliegenden Bars. Die Lebensmittel-Lieferungen durfte die kleine Ingrid ins "Mon Bijou" bringen. Die Bardamen der umliegenden Etablissements waren für sie lauter Marilyn Monroes - und heimliche Vorbilder. Aber wenn eine der Frauen zur Mutter ins Hinterzimmer kam, um ihr Herz auszuschütten, hieß es immer: "Das ist nichts für eure Ohren. Ab nach oben!"
Wie schön eine Kindheit in der Stadt sein kann, das bringt schließlich die Komödiantin und Schauspielerin Cordula Stratmann auf den Punkt. Als Kind schuf sie sich ihre eigene kleine Welt auf dem Innenhofbalkon. Noch heute liebt sie es, in der Dämmerung durch ein Wohnviertel zu spazieren: "Da fühle ich mich ehrlich gesagt glücklicher, als wenn ich über einen Waldboden gehe."

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Montag, den 11.12.2017 um 14:45 Uhr auf WDR.

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11.12.2017 14:45WDR11.12.2017 14:30WDR