

Westlich von Turin, zwischen Pinerolo und der auf dem Alpenkamm in über 3000 Metern Höhe verlaufenden französischen Grenze, liegen die Täler, die seit mehr als 700 Jahren von Waldensern bewohnt werden. Es sind dies das Val Pellice, das Val Angrogna, das Val Germanasca und das Valle del Chisone.
Die Reformbewegung der Waldenser wurde - ähnlich wie die der Franziskaner - um 1170 von einem reichen lyoner Kaufmann namens Petrus Valdes ins Leben gerufen, der sein Geld an die Armen verschenkte und zur Einfachheit des Evangeliums zurückfinden wollte.
Wie nicht anders zu erwarten, kam es zum Konflikt mit den Vertretern der römischen Amtskirche im Rhonetal, woraufhin Teile der Waldenser zunächst in die französischen und andere in die noch unzugänglicheren Alpen von Savoyen flohen.
Zur Zeit der Reformation und vor allem der Gegenreformation lieferten sie sich zum Teil heftige Schlachten mit den Söldnern der katholischen Häuser Frankreich und Savoyen, Kämpfe, die wesentlich zur Ausprägung eines noch heute vorhandenen waldensischen Bewusstseins beitrugen.
Erst 1848 gab ihnen der im Entstehen begriffene italienische Staat durch König Carlo Alberto von Savoyen die bürgerlichen Freiheitsrechte zurück, ein Ereignis, das jährlich am 17. Februar in jeder Gemeinde gebührend gefeiert wird. Seither durften die Waldenser ihre Täler verlassen und arbeiten, wo sie wollten.
Die Täler der Waldenser steigen aus der Po-Ebene bis zu den Almen auf weit über 2500 Metern Höhe und sind seit alters her landwirtschaftlich genutzt. Die Bauern wohnen in aus mehreren Wohnhäusern und Ställen bestehenden Weilern oder in kleinen Dörfern, deren Zentrum noch heute ein waldensischer Tempel ist. Früher gab es in jedem Weiler auch eine einklassige Schule, in der alle Kinder Lesen, Rechnen und Schreiben lernten, wodurch sie nach der Befreiung aus dem Getto zu besonders gefragten Facharbeitern wurden.
Im Val Germanasca wird bis heute in einer Mine Talcum gefördert; bis in die 60er Jahre wurde auch Eisenerz zu Tage gebracht, talabwärts verhüttet und weiterverarbeitet. Ein Museum informiert anschaulich über das damalige Bergmannsleben der armen Bauern.
Heute kommt als zweite Verdienstmöglichkeit Sommer- und Wintertourismus hinzu, wobei auf einen behutsamen Ausbau geachtet wird.
Der Film , im Winter und im Sommer gedreht, zeigt die Schönheit der Täler, die mühselige Arbeit der dort lebenden Menschen bis vor nicht allzulanger Zeit und berichtet von der Glaubensstärke dieser Protestanten in Italien. "Bilder einer Landschaft" für Schlaflose
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 22.10.2017 um 00:15 Uhr auf ARD alpha.