Vor mehr als 200 Jahren haben sie ihre Kleidung schwarz gefärbt, tragen rote Rockaufschläge und goldene Knöpfe - als wilde, verwegene Jäger des Lützowschen Freicorps. Seit Jahren sind sie politisiert, aufgeputscht von der französischen Revolution, aufgestachelt im Hass gegen die napoleonische Fremdherrschaft und beseelt vom Traum eines einigen deutschen Vaterlandes. Die meisten von ihnen sind Studenten. Napoleon wird besiegt, doch ihr Traum erfüllt sich nicht. Trotzdem wollen sie weiter gemeinsam für einen deutschen Nationalstaat eintreten. Am 12. Juni 1815 treffen sich in Jena, im Gasthaus zur Grünen Tanne, 140 Vertreter bis dahin landsmannschaftlich geprägter Studentenverbindungen und gründen die Jenaer Urburschenschaft. Zu ihrem Zeichen wählen sie die Farben der Freischärler: Schwarz, Rot, Gold.
Dieser Urburschenschaft folgten noch 1815 schnell weitere Gründungen, die überall Zulauf erhielten. Doch ihrem Ziel, ein einiges, freies Deutschland, kamen sie nicht näher. Die Wartburg bei Eisenach wurde für die Burschen zum Sehnsuchtsort und Symbol, denn Martin Luther, der dort die Bibel übersetzte, war als Befreier des Glaubens und Vater der modernen deutschen Sprache ihr geistiges Vorbild. Anlass für das erste Wartburgfest 1817 war der 300. Jahrestag der Reformation und der vierte Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig. An der Spitze des Zuges in den Festsaal trugen die Vertreter der Jenaer Urburschenschaft ihre schwarz-rot-goldene Wartburgfahne, insgesamt kamen etwa 500 Burschen zu diesem ersten Wartburgfest. Nach dem offiziellen Ende fanden sich jedoch einige Burschen zu einer Bücherverbrennung auf dem nahen Wartenberg zusammen, es war Deutschlands erste nationalstaatliche Kundgebung.
Ihre Ideen haben die Zeiten überdauert - trotz Verfolgung und politischer Umbrüche. Heute zeigen sich die Burschenschaften in ganz verschiedenen Vereinigungen - von liberal bis indiskutabel nationalistisch. 200 Jahre später geht eine Gruppe Jenaer Studenten auf Spurensuche. Sie wollen einen Film drehen über die Burschenschaften, die auf ihrem Campus wie an anderen deutschen Universitäten agieren. Sie bloggen, treffen sich mit Burschen, sind bei Versammlungen und Fechtübungen dabei, interviewen Studienkollegen, Passanten, Historiker, Forscher. Sie wollen herausfinden, wer diese Burschen eigentlich sind, welche Daseinsberechtigung sie heute noch haben und welche Ziele, was ihre Rituale bedeuten und ihre großen Wahlsprüche von Ehre, Treue, Pflicht, Vaterland, Nation - damals wie heute.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 15.10.2017 um 22:15 Uhr auf ARD alpha.