

50 Jahre lang brachte Dieter Hallervorden die Deutschen zum Lachen, jetzt rührt er sie zu Tränen. Aus dem Komiker ist der ernstzunehmende Schauspieler geworden. Mit mehr als 80 Jahren hat er erreicht, was er eigentlich schon immer wollte: die Anerkennung als Charakterdarsteller.
Als Marathonläufer Paul stellte er in "Sein letztes Rennen" ein Altersheim auf den Kopf. In Til Schweigers berührendem Demenz-Drama "Honig im Kopf" hat er ein Millionenpublikum gewonnen. Dieter Hallervorden konnte zeigen, was er selten durfte: die Verbindung von Komik und Tragik mit Seelentiefe. Für die jungen Kinogänger ist er eine Entdeckung, für sein angestammtes Publikum eine Überraschung.
Komiker der Nation
Was ihn als Didi in "Nonstop Nonsens" unverwechselbar machte, war seine körperbetonte Komik, seine Grimassen und seine gewollt unbeholfene Gestik. Doch nur vordergründig komisch zu sein - das war ihm, was seine Fans kaum ahnten, nie genug.
Start mit Kabarett
In Dessau geboren, geprägt durch den sozialistischen Alltag der Nachkriegszeit, packte ihn früh der Ehrgeiz. Als er von Schauspielschulen Absagen bekam, gründete er sein eigenes Kabarett - "Die Wühlmäuse". Das Geld dafür verdiente Hallervorden mit seinen Sketchen im Fernsehen. Und das hat ihn populär gemacht. Doch er suchte andere Rollen. Heute sagt er: "Ich wollte zu neuen Ufern."
Eigenes Theater
2008 erfüllte Dieter Hallervorden sich dann einen Traum und übernahm das traditionsreiche Schlossparktheater in Berlin Steglitz. Er investierte viel vom eigenen Vermögen und stellte ein frisches Bühnenprogramm zusammen, ganz nach seinem Geschmack.
In "Deutschland, deine Künstler" zeigt er sich als eigensinniger, freiheitsliebender, nicht immer einfacher Charakter, der sein Leben lang eisern seine Ziele verfolgt hat und auf Rückschläge mit "Jetzt erst recht!" geantwortet hat. Oder, wie es die Filmfigur Paul in "Sein letztes Rennen" ausdrückt: "Man muss immer einmal mehr aufstehen als hinfallen!"
Hautnahes Portrait
Filmautorin Hilka Sinning beobachtet Hallervorden bei den Dreharbeiten zu seinem letzten Film "Chuzpe". Die Kamera begleitet ihn beim Kleinkunstfestival, beim jährlichen Sommerfest im Schlossparktheater und auf der Bühne im Moliere-Klassiker "Der Bürger als Edelmann".
Seine private Seite offenbart er in der Bretagne: Hallervorden erholt sich beim Segeln zusammen mit seinem Sohn Johannes. Zu Wort kommen in dem Film auch seine Kollegen Robert Atzorn, Til Schweiger, der ehemalige Tenor und Kabarettist Thomas Quasthoff, Comedy-Größen wie Wigald Boning und Michael Mittermeier sowie die Berliner Schauspielerin und langjährige Weggefährtin Brigitte Grothum.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Montag, den 23.10.2017 um 23:20 Uhr auf WDR.