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Stammheim - Die RAF vor Gericht

Film von Thomas Schuhbauer und Sonja von Behrens
Donnerstag, 19.10.2017 04:15 Uhr
SR
Donnerstag
19.10.2017
04:15 Uhr
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Bildquelle: Pressebild (ard2017)
Bildquelle: Pressebild (ard2017)

Der Stammheimer Prozess gegen die Führung der RAF sollte den Terrorismus juristisch beenden, doch er spaltete die Gesellschaft und bewirkte eine Eskalation der Gewalt im Deutschen Herbst. 1974 scheint der Terrorismus schon besiegt: Der harte Kern der RAF ist verhaftet. Die Verurteilung von Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in einem ordentlichen Prozess werde dem Spuk ein Ende bereiten - glauben damals viele. Doch dann werden die Jahre 1974 bis 1977 zu den blutigsten in der Geschichte des linken Terrors in der Bundesrepublik.

Attentate und Geiselnahmen halten die Öffentlichkeit in Atem, der Staat wehrt sich mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln. Unschuldige geraten zwischen die Fronten. Am Ende steht mit der Entführung Hans Martin Schleyers und der Lufthansamaschine "Landshut" der Deutsche Herbst, die größte innenpolitische Krise der Bundesrepublik. Der Stammheimer Prozess gegen die Führung der RAF ist ein Schlüsselereignis für die Geschichte und für das Verständnis des Deutschen Herbstes, der sich 2017 zum 40. Mal jährt.

Der neue, hochgesicherte Gerichtssaal auf dem Gelände des Stammheimer Untersuchungsgefängnisses wird zum Schauplatz erbitterter Kämpfe zwischen Angeklagten und Staatsanwälten, Richtern und Verteidigern. Hungerstreiks, Abhörskandale, Vorwürfe wegen Isolationsfolter und Selbstmorde in der Haft erschüttern die Republik. Als am 28. April 1977 das Urteil verkündet wird, ist Ulrike Meinhof bereits tot, die drei anderen Häftlinge werden zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt.

Doch warum konnten die Ereignisse und der Prozess derartig eskalieren? Wer trägt Schuld daran? Hätte die Eskalation vermieden werden können? Das sind die Fragen, denen der Film nachgeht. Erstmals hat für diesen Film der Vorsitzende Richter Theodor Prinzing, 91, ein ausführliches Interview gegeben. In ihm enthüllt er nicht nur, dass eigens für den Prozess erlassene Sondergesetze auf Hinweise des Gerichts zurückgingen. Er spricht auch erstmals über ein familiäres Drama, das sich hinter den Kulissen abspielte: Seine Tochter Gabriele, die in diesem Film zum ersten Mal ein Interview gibt, war auf der Seite der RAF-Sympathisanten und nahm an RAF-nahen Veranstaltungen teil, auf denen ihr Vater als Mörder beschimpft wurde.

Zu Wort kommen außerdem Beteiligte von damals: Richter im Stammheimer Prozess wie Kurt Breucker und Eberhard Foth, Verteidiger wie Christian Ströbele und Rupert von Plottnitz sowie Journalisten und Historiker. Die Eskalation jener Zeit beschreiben aus unterschiedlicher Perspektive der Theatermacher Claus Peymann und der Filmemacher Andres Veiel, damals Mitglied der Jungen Union in Stuttgart. Mit ihrer Hilfe rollt der Film den Prozess von damals noch einmal auf, konfrontiert die Zeitzeugen mit ihren Entscheidungen und versucht zu verstehen, wie es zu dieser Eskalation kommen konnte. 40 Jahre Deutscher Herbst

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 19.10.2017 um 04:15 Uhr auf SR.