Am 20. Januar 1948 verübte der fanatische Hindu Gopal Godse einen Mordanschlag auf Mahatma Gandhi, der jedoch fehlschlug. Zehn Tage später gelang seinem Bruder Nathuram, was Gopal nicht geschafft hatte: Er tötete Gandhi. Mehr als 50 Jahre danach zeigt die Dokumentation, wie Nationalismus und religiöse Konflikte Indien in die Unabhängigkeit begleitet haben und bis heute fortbestehen.
Für Gopal Godse war der Tag der Unabhängigkeit Indiens im August 1947 fast ein Tag der Trauer. Die "Bharat Mata", die "Mutter Indien", die der 27-jährige Brahmane mit nationalistischem Eifer anbetete, hatte viele Provinzen verloren. So war das überwiegend muslimische Ostbengalen zu Ostpakistan geworden. Und in tausend Kilometern Entfernung bildeten der westliche Teil Punjabs sowie die Provinzen Sindh und Belutschistan und das Land der kriegerischen Paschtunen Westpakistan. Auch hier lebten überwiegend Moslems.
In Godses Augen war nicht allein die Kolonialmacht Großbritannien für diese "Amputation" verantwortlich. Schuld waren die Moslems. Aber der Hauptschuldige war ein Hindu, der als Held gefeiert wurde, weil er den Engländern die Stirn geboten hatte. Ein kleiner Mann mit Nickelbrille und weißem Baumwollschurz: Mohandas Karamchand Gandhi, genannt "Mahatma", die große Seele.
Der Kampf um die Unabhängigkeit Indiens wurde von der Kongresspartei unter Jawaharlal Nehru und der spirituellen Führung Gandhis geleitet. In der überwiegend hinduistischen Gesellschaft Indiens vertraten die beiden unterschiedliche Auffassungen über die Religion. Während Gandhi für Glauben und Toleranz eintrat, war Nehru überzeugter Atheist.
Gopal Godse kümmerte es wenig, dass Gandhi die Konflikte zwischen den verschiedenen Religionsgemeinschaften stets verurteilt und bis zum Schluss gegen die Teilung der "Bharat Mata" gekämpft hatte, während sich Nehru, der seine Kongresspartei an der Spitze eines unabhängigen Indiens sehen wollte, mit dem Gedanken der Teilung abgefunden hatte. Gopal Godse, gestorben am 26. November 2005, war auch 50 Jahre nach Gandhis Tod noch überzeugt, Pakistan sei dessen "Kind".
Gopal und sein Bruder Nathuram waren Mitglieder der rechtsradikalen Hindu Mahasabha, der "Großen Versammlung der Hindus", die dem antibritischen, faschistoiden Nationalen Freiwilligenkorps nahe stand. Extremistische Hindus haben in letzter Zeit in Indien an Boden gewonnen. Die Indische Volkspartei, die eher einen gemäßigten Nationalismus vertritt, war noch bis Mitte 2004 die größte Partei im indischen Parlament und stellte den damaligen Premierminister Atal Bihari Vajpayee.
Auch Pakistan ist seit den Attentaten vom 11. September 2001 in den USA in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit gerückt. Es ist klar geworden, dass die islamistischen Strömungen im Land nicht unbeachtet bleiben dürfen. Und da sowohl Indien als auch Pakistan über Atomwaffen verfügen, erregen die Konflikte zwischen Hindus und Moslems in der Region besondere Aufmerksamkeit.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 16.08.2017 um 15:00 Uhr auf Phoenix.