Münster und Skulpturen - das gehört zusammen. So können die Münsteraner und die Besucher dieses Jahr übers Wasser gehen. Die türkische Ayse Erkmen hat es möglich gemacht oder sie laden ihr Handy über dem Lagerfeuer. Aram Bartholl will mit dieser Idee, die Romantik des Zusammenseins mit der modernen Form der Kommunikation verbinden. Reden damals und heute. Überhaupt sind die viele Skulpturen in diesem Jahr auf die Beteiligung des Publikums zugeschnitten. Menschen laufen durch die Stadt, sprechen Passanten an und zeigen Ihnen dann sich selbst zur Skulptur erstarrt. Die Choreographin und Performancekünstlerin Alexandra Pirici formt andere Figuren. Im ehemaligen Friedenssaal veranstalten sie workshops, bei denen Teilnehmer Aufgaben übernehmen und mit anderen gemeinsam menschliche Kunstwerke auf Zeit formen. Die größte Installation stammt von Pierre Huyghe, er verwandelt die ehemalige Eissporthalle, die kurz vor dem Abriss steht in ein neues Biotop. Dazu hat er Teile der Halle abgebrochen und lässt Regen und Sonne hinein, so dass Pflanzen wachsen und Tiere sich wieder ansiedeln. "After A Life Ahead" ist ein lebendes sich weiter entwickelndes Kunstwerk, das am Ende die alte Form zerbricht und etwas Neues entstehen lässt. Eine Idee, die modellhaft für die Skulptur-Projekte in Münster ist. Denn die Grundidee von Macher Kaspar König war temporäre Kunst zu schaffen. Doch vieles ist dann doch in Münster geblieben.
Alle zehn Jahre wird die Stadt zum Mekka der internationalen Kunstszene, wenn die "Skulptur Projekte Münster" stattfinden. Überall in der Stadt stellen Top Künstler aus aller Welt ihre Skulpturen auf, oder besser das, was sie unter "Skulptur" verstehen.
2017 findet das Ereignis zum fünften Male statt, und alle Münsteraner sind stolz darauf. Das war nicht immer so. Als 1977 die ersten Skulptur Projekte stattfanden, verstanden das Ausstellungsmacher Kasper König und sein Team noch als Erziehungsmaßnahme für eine konservative Bürgerschaft, die sich kurz zuvor noch über die Aufstellung einer abstrakten, mit Licht und Wind spielenden, Skulptur aufgeregt hatte. Neidisch schauten die Macher auf das benachbarte Marl, das mit seinem futuristischen Stadtzentrum und einem öffentlichen Skulpturenpark seine Bürgerschaft herausforderte und ganz auf Zukunft ausgerichtet war. Zumindest etwas davon sollte auch im hübschen, konservativen Münster möglich sein. Denn Kunst und das ist die Botschaft von Kasper König, geht alle an, nicht nur im Museum sondern auch draußen.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 22.08.2017 um 01:05 Uhr auf WDR.