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Rezension zu Keep Surfing
Zwischen Beach-Boys-Romantik und Zeichentrick-Kinderspaß im Stile von "König der Wellen" war noch Platz für eine kleine Welle. Auf ihr reitet, oder besser: surft, Björn Richie Lob, der in fünf Jahren Produktionszeit seinen Film über das Eisbach-Wellenreiten in München gemacht hat. In Wirklichkeit ist "Keep Surfing" aber ein Film über sich selbst. Ihn sollten seine Freunde sehen. Alle anderen dürfen beim Heimkinoabend staunen. Sie lernen dabei Exotisches kennen und auch, dass man in München weiß, was eine echte Gaudi ist.
Der Dokumentarfilm folgt sechs Ausnahmesurfern auf eine Ausnahmewelle – und zeigt dabei Lebensentwürfe, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Als Sportler im Wetsuit teilen sie die gleiche Leidenschaft, privat aber sind sie Informatiker, Kameramann oder Arzt. Nur einer verdient mit Surfen sein Geld, ein anderer hält sich mit dem Bau von Didgeridoos (Blasinstrumenten der australischen Aborigines) über Wasser, und der Letzte im Bunde betreibt einen Barbershop in Oregon.
Björn Richie Lob sind atemberaubende Aufnahmen der Wellenreiter gelungen, mit ebenso viel Geschick hat er seinen Protagonisten Geheimnisse entlockt, die sie sonst niemandem erzählen. Denn Lob ist einer von ihnen, selbst ein Flusssurfer und radikaler Individualist, der seinem Filmtraum bedingungslos folgt. Vor Ort war er in fünf Jahren Produktionszeit immer wieder Regisseur und Kameramann zugleich. Der gebürtige Kölner entdeckte einst das Surfen im Eisbach und kam von diesem Extremsport nicht mehr los.
Es hat schon etwas Anarchisches, wie sich die jungen Helden in das kalte und leider nicht immer klare Wasser stürzen. Unterstützt wird die Doku dabei von einem rockigen Soundtrack. Ganz klar, der Film ist nicht auf jung getrimmt, er ist jung. Ob sich mit diesem Dokuformat mehr Zuschauer ins Kino locken lassen als mit manch Oscar-prämiertem Film, muss sich nun zeigen. Immerhin ist der Film bundesweit in über 20 deutschen Städten eingesetzt. Als Produzenten führt der Film einen starken Namen: Tobias N. Siebert. Der hat immerhin "Die Geschichte vom weinenden Kamel" in die Kinos gebracht und bekanntlich 2005 dafür den Oscar erhalten.
20.05.2010