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Rezension zu Sound of Heimat – Deutschland singt
Warum nur tun sich viele Menschen - vor allem in Deutschland - so schwer mit dem Singen? Es ist die vielleicht direkteste Art, um Nähe, Liebe, Freude oder auch Wut auszudrücken. Im Kindergarten, in der Schule oder in den Familien wird gesungen - aber Volksmusik ist heute eher auf die Zielgruppe 60+ ausgerichtet. In dem Dokumentarfilm »Sound of Heimat - Deutschland singt« suchen Jan Dengele und Arne Birkenstock nach Antworten.
Hayden Chisholm ist Musiker, er stammt aus Neuseeland, doch in Köln hat er seit langem seine neue Heimat gefunden. Deutschland ist ihm dennoch in vielerlei Hinsicht bis heute fremd geblieben. Vor allem musikalisch ist ihm Nähe und Distanz der Deutschen zu ihrer Volksmusik ein Rätsel. Als Protagonist des Dokumentarfilms »Sound of Heimat« macht Hayden sich auf die Suche nach den Wurzeln und den vielen Blüten der deutschen Musik.
Zunächst zieht es ihn quasi wie durch einen starken Magneten tief hinab in den Süden. Ins Allgäu, nach Bayern. Fast ein Drittel des sehens- und hörenswerten Films verbringt er dort: Lernt jodeln und lässt sich in Franken von Volksmusik berauschen - jener neuen, wilden Musik, die ihre Antihaltung zu allem, was nach Musikantenstadl klingt, im x postuliert. Kraftvolles Gebläse, Partystimmung und Gaudimusik mit Punk und Polka-Anleihen findet er dort. Ja, die lustigen Bayern. Aber sie sind nicht alleine. Im Osten der Republik findet Hayden erzgebirgische Beschaulichkeit und chorale Gesangeskunst - aber auch durchaus tiefgängige Gedanken. Ganz zum Schluss im Norden ist dann endlich zum Möwengesang Seemannsgebrüll zu hören. Da fühlt sich Hayden ein wenig wie zu Hause.
Dieser Film ist - da hat die Pressemappe wohl recht - ein »Roadmovie zur deutschen Volksmusik«. Doch wie jedes wirklich gelungene Roadmovie geht es dabei weniger um die Stationen, die man bei der Reise erreicht, als um die Wege dazwischen. Und da haben die Produzenten und Autoren dieses Filmes wirklich ein gutes Händchen gehabt. Hayden Chisholm lässt sich von dieser fremden musikalischen Welt zunehmend anstecken. Als Doku-Protagonist lässt er sich im guten Michael-Moore-Stil in die Sache hineinziehen. Auch Smudo von den Fantastischen Vier war für diese Rolle angedacht. Doch vor allem die belastungsfreie Sicht eines nicht bei uns Geborenen ist ein enormer Gewinn für die Glaugwürdigkeit dieser musikalischen Mutmacher-Tour.
Und genau in diesem Momenten wird klar, weshalb Musik so wundervoll sein kann: Sie steckt an, sie bezieht ein, sie umgeht Hindernisse, sie schmeichelt und sie macht sogar Konzentrationslager überlebbar. An einer Stelle fragt sich Hayden, wie es den sein konnte, dass eine deutsche Sängerin sich nicht traute, Volkslieder ihrer Heimat im Ausland zu singen. Genau da hat er den wunden Punkt erreicht. Seine Antwort ist lapidar, aber ermutigend: Musik ist einfach nur Musik - jeder darf sich trauen.
Am Ende steht er in Lederhosen und Tracht auf einer satten Wiese und spielt Dudelsack. Der Neuseeländer lernt uns Deutsch: Volksmusik ist des Volkes Musik. Jeder, wie er kann. Jeder, wie er will.