

Mit der Bahn vom Mittelmeer an den Atlantik: Von Barcelona nach Bilbao geht es quer durch das oft besungene, aber dennoch vom Massentourismus noch immer unentdeckte spanische Hinterland, das tatsächlich so schön, vielfältig und landschaftlich spektakulär ist, wie die Reiseführer immer schreiben. Der Zug der staatlichen Eisenbahngesellschaft RENFE fährt am Fuße der Pyrenäen-Ausläufer entlang des Flusses Ebro. Ausgangspunkt ist die katalanische Metropole Barcelona. Wenn der Zug nach sieben Stunden Bilbao, die baskische Stadt am Atlantik erreicht, haben wir in knapp 45 Minuten das Herz und die Seele Spaniens in höchst unterschiedlichen Provinzen, von Katalonien bis ins Baskenland, erlebt.
Barcelona - Der Rabbi und sein Winzer
Die am Mittelmeer gelegene Metropole entwickelt sich rasant und vereint, wie keine andere Stadt Europas. Inmitten dieses kulturellen, internationalen Melting Pots treffen wir den Winzer Jabier Marquinez. Sein Weingut liegt in der spanischen Provinz La Rioja. Mit Jabier entdecken wir ein Stück altes Barcelona, das jüdische Viertel an den Ramblas. Hier trifft er spezielle Kunden. Für die jüdische Gemeinde produziert Jabier koscheren Wein. Eine Spezialität die bei internationalen Weinkennern höchste Anerkennung genießt. Dank streng religiöser Vorschriften und Aufsicht entsteht der vermutlich reinste Biowein der Welt. Mit Jabier dem Winzer machen wir uns auf die Reise nach Nordwesten, mit dem Zug Richtung Rioja. Durch fast alle Klimazonen Spaniens führt die Reise: Karge Steppen, felsige Wüstenlandschaften, fruchtbare Wein- und Gemüsegebiete und vor dem Atlantik ein Gebirge, das an die Schweiz erinnert.
Lleida - Paragliding am Fuße der Pyrenäen
In der Provinzstadt Lleida verlassen wir Jabier und den Schnellzug einen Augenblick. Mit einer Museumsbahn, dem Tren de Llacs (Zug der Seen), folgen wir einer Abzweigung in die Ausläufer der Pyrenäen. Einst war diese Linie eine Verbindung durch die Berge nach Frankreich. Heute werden rund 90 Kilometer auf spanischer Seite befahren. Der Zug kämpft sich über Viadukte und durch Tunnel entlang seiner namensgebenden türkisfarbenen Seen in die Berge hinauf. An Bord ist Esther aus Barcelona. Die kaufmännischer Angestellte genießt die Ruhe hier draußen auf besondere Art. Sie lernt Paragliden. Wir begleiten sie zu einem ihrer großen Allein-Sprünge hinauf auf die atemberaubende Sierra del Montsec - und mit dem Gleitschirm hinunter.
Bardenas Reales - Die Geier kreisen (noch) nicht
Sind die Täler des Rio Ebro und des Rio Oja fruchtbar und grün, erstreckt sich dahinter karge, unwirkliche Wüstenlandschaft. Die Einsamkeit einer 42.000 Hektar großen Halbwüste. In den Bardenas Reales, einem riesigen Naturschutzgebiet, begleiten wir den Biologen Alejandro Urmeneta Hernández bei seiner Forschungsarbeit über die Flugrouten der Gänsegeier. Seltene Vogelarten leben hier und ausgestorbene Arten werden derzeit wieder etabliert. Alejandro ist Hüter dieser einzigartigen Landschaft. Er bewacht als Biologe nicht nur die Flora der Halbwüste, die im Unesco-Reservat liegt, sondern vor allem kümmert er sich auch um die Vögel in diesem Gebiet. Nicht einfach, denn das Naturschutzgebiet ist gleichzeitig auch Übungsgelände für Nato-Bomber und Top-Location für Werbe- und Filmdrehs.
Außerdem:
* Pamplona - Fiesta, der alte Mann und die Stiere
* Rioja - Wo der Tinto seine Seele eingehaucht bekommt
Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 13.07.2017 um 20:15 Uhr auf NDR.